Joachim Braun, Nürtingen. Zum Artikel „Hagel nimmt kein Blatt vor den Mund“ vom 23. Februar.
Wer Manuel Hagel in Nürtingen zugehört hat, rieb sich verwundert die Augen. Wenn ein Staubsaugervertreter an der Haustür klingelt und nur über die vermeintlichen Nachteile des Konkurrenzgeräts redet, anstatt die Saugkraft des eigenen Modells zu demonstrieren, dann schließe ich kommentarlos die Tür. Genau das macht der CDU-Spitzenkandidat gerade hier bei uns.
Seine Rhetorik von „Mao, Maga und Hosenscheißer-Partei“ mag zwar Schlagzeilen produzieren, zeugt aber eher von inhaltlicher Hilflosigkeit als von politischem Format. Wer die AfD als „Verräter“ beschimpft, die Arbeitsplätze ins Ausland treiben wollen, lenkt nur von der eigenen Bilanz ab: Es waren CDU und Grüne, die mit ihrer Energie- und Verkehrspolitik die Automobilbranche und den Maschinenbau direkt hier am Standort Nürtingen – bei Firmen wie Heller, Nagel oder Metabo – unter massiven Druck gesetzt haben.
Hagel gibt nun zwar zu, dass der AKW-Ausstieg ein Fehler war, hat aber keinen Mut für eine echte Korrektur. Er beklagt die Sorgen der Zulieferer im Neuffener Tal, saß aber jahrelang als Juniorpartner der Grünen mit am Kabinettstisch, der das Verbrenner-Aus und die Deindustrialisierung mitverwaltet hat. Beleidigungen sind kein Ersatz für Lösungen. Wenn Herr Hagel nichts Besseres weiß, als die politische Konkurrenz zu diffamieren, zeigt das nur eines: Er hat inhaltlich keinen „Staubsauger“ im Koffer, den er den Menschen in Nürtingen ernsthaft anbieten kann. Wer so auftritt, darf sich nicht wundern, wenn die Wähler am 8. März das Original wählen, statt einem Vertreter zu vertrauen, der seine eigenen Versäumnisse hinter lautem Gebrüll verstecken will.
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