Leserbriefe

Stadtticket muss beibehalten werden

Jürgen Müller, Nürtingen. Zum Artikel „Das Stadtticket steht erneut auf der Kippe“ vom 16. April.

Die aktuelle Diskussion im Gemeinderat über die Abschaffung des Stadttickets hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Wenn CDU, Freie Wähler und FDP die Einstellung dieses Angebots fordern, ignorieren sie die Lebensrealität vieler Nürtinger Bürgerinnen und Bürger.

Das Hauptargument der Gegner sind die Kosten und die stagnierenden Nutzerzahlen. Doch ein Blick auf die nackten Zahlen der Verwaltung zeigt: Der Rückgang bei den Stadttickets ist deutlich geringer als bei den regulären Barverkäufen des VVS. Das beweist, dass das Stadtticket gerade für Gelegenheitsfahrer ein extrem attraktives und „niederschwelliges“ Angebot bleibt.

588 Euro im Jahr für ein Deutschlandticket sind zu viel, wenn man nur zweimal die Woche zum Arzt, zum Einkaufen oder zum Sport in die Kernstadt muss. Für diese Menschen bedeutet das Stadtticket soziale Teilhabe.

Ohne Stadtticket kostet allein eine Hin- und Rückfahrt für eine einzige Person von Reudern nach Nürtingen sieben Euro. Für eine vierköpfige Familie ohne Abo würde der Stadtbummel mit dem Bus damit zum teuren Luxusgut.

Der Vorwurf des „Mitnahmeeffekts“ greift zu kurz. Selbst wenn Menschen den Bus bereits vor 2020 genutzt haben, ist die Subventionierung ein klares Signal der Stadt: Wir wollen, dass ihr den ÖPNV nutzt und nicht das Auto. Wer das Ticket abschafft, treibt die Menschen zurück in die Parkplatzsuche und belastet das Stadtklima.

Sicherlich ist die Haushaltslage angespannt. Aber bei einem jährlichen Defizit von rund 80.000 Euro von einer untragbaren Belastung zu sprechen, während man an anderer Stelle über Großprojekte entscheidet, wirkt unglaubwürdig. Wie Oberbürgermeister Fridrich richtig sagt: Es wäre gerade jetzt – bei allgemein steigenden Preisen – das völlig falsche Zeichen.

Ich hoffe inständig, dass der Gemeinderat am 5. Mai nicht an der falschen Stelle spart und die Bedürfnisse derer im Blick behält, für die Mobilität auch eine Frage des Geldbeutels ist.

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