Leserbriefe

Rückhalt für Entscheidungsträger

Franziska Reuß, Nürtingen.

Mit Verwunderung stelle ich immer wieder fest, dass die Kritik am Projekt Stadtbalkon nach über drei Jahren nicht abebbt. Die Möglichkeit, politische Entscheidungen zu kritisieren, ist glücklicherweise Grundpfeiler unserer Demokratie und soll auch nicht infrage gestellt werden. Jedoch überrascht mich, dass die Akzeptanz für kommunale Gestaltungsmöglichkeiten wohl sehr gering ausfällt, sobald diese nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen.

Das Projekt Stadtbalkon kann man loben und kritisieren – je nachdem, welche Schwerpunkte man setzt. Dass Einschnitte in den Pkw-Verkehr vorgenommen wurden, steht außer Frage. Jedoch auch, dass Platz für anderes geschaffen wurde: einen Ort der Begegnung, gastronomische Vielfalt und Raum für alternative Mobilität.

Sicher gibt es Bürgerinnen und Bürger, für die die negative Seite überwiegt. Jedoch gibt es auch offensichtliche Vorteile des Projekts, welche Nürtingen sogar zum Sieger der Landesauszeichnung „Wir machen Mobilitätswende“ 2025 machten.

Der Stadtbalkon steht nur stellvertretend für viele Entscheidungen, die Verantwortliche – egal ob kommunal, auf Landes- oder Bundesebene – täglich treffen: Entscheidungen, bei welchen beide Seiten vertretbar sind. Weder die Zustimmung zur Errichtung des Stadtbalkons stellt ein staatliches Totalversagen dar, noch hätte eine Ablehnung ein solches dargestellt.

Meiner Meinung nach gehört es zum gesellschaftlichen Miteinander, sich irgendwann mit Entscheidungen abzufinden, die nicht völlig unvertretbar sind. Auch, wenn man anders geurteilt hätte. Dieser Rückhalt würde es den Verantwortlichen eventuell erleichtern, bei wirklich folgenschweren Themen schneller zu entscheiden. Ein Punkt, der den meisten entgegenkommen dürfte. Denn die Kritik, dass Entscheidungsträger in Deutschland zu lange debattieren, ist mindestens genauso laut wie die Kritik an den getroffenen Entscheidungen selbst.

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