Hartmut Wirsching, Beuren. Zum Artikel „Grüne und CDU reden miteinander“ vom 25. März.
Chapeau, „nur“ knappe zwei Wochen benötigen die Grünen und die CDU zu Sondierungsgesprächen. Man muss der CDU in Baden-Württemberg ja eines lassen: Niederlagen werden dort nicht einfach hingenommen – sie werden kreativ umgedeutet. Während andere Parteien nach einer verlorenen Wahl (siehe SPD in Rheinland-Pfalz) in sich gehen und schnell zueinanderfinden, geht die CDU offenbar direkt in die Verhandlungen mit der Erwartung, dass ihr Wahlprogramm nun erst recht umgesetzt wird.
Eine bemerkenswerte Strategie: verlieren, fordern, regieren – zumindest gedanklich. Die Grünen wiederum stehen vor der anspruchsvollen Aufgabe, gleichzeitig Wahlsieger und Erfüllungsgehilfe zu sein. Man fragt sich, ob künftig auch Fußballmannschaften nach einer 0:4-Niederlage verlangen dürfen, dass ihre Taktik vom Gegner übernommen wird – schließlich habe man ja „gute Ideen gehabt“.
Vielleicht erleben wir hier die Geburt einer neuen politischen Kultur: Opposition als heimliche Regierung, Wahlergebnisse als unverbindliche Empfehlung und Koalitionsgespräche als eine Art Wunschkonzert der Unterlegenen. Man darf gespannt sein, ob die Grünen demnächst auch das CDU-Logo übernehmen – rein aus Koalitionsharmonie, versteht sich. Der ganze Vorgang eignet sich mit Sicherheit für die Nachrichtensatire „heute-show“ von Oliver Welke.
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