Uwe Jirikovsky, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Erneutes „Nein“ zum Campus Weiherbach“ vom 7. August.
Das erneute Nein des Gemeinderats zum Campus Weiherbach kann man bedauern oder begrüßen. Entscheidend ist: Das Nein zu dieser Lösung darf kein Ja zum bisherigen Zustand sein. Die Verwaltung hat mit ihrer neuen Vorlage etwas getan, was ich ausdrücklich begrüße: Sie hat den Campus nicht isoliert als Bauprojekt betrachtet, sondern als Teil einer langfristigen Neuordnung der Kinderbetreuung. Investitionen, Sanierungen, laufende Kosten, Fördermittel, Grundstückserlöse und organisatorische Einsparungen wurden gemeinsam betrachtet. Diese ganzheitliche Betrachtung brauchen wir. Denn mit dem Nein verschwinden die Kosten nicht. Rund 2,2 Millionen Euro Planungs- und Honorarkosten stehen ohne baulichen Gegenwert im Raum. Hinzu kommen laut Verwaltung mindestens 4,7 Millionen Euro Investitionen in bestehende Einrichtungen – zusammen nahezu sieben Millionen Euro, noch ohne vollständige Kosten notwendiger Interimslösungen. Besonders wichtig sind die Personalkosten. Bei einem Haushalt von gut 30 Millionen Euro und bereits rund elf Millionen Euro Personalkosten müssen aktiv gesteuert werden.
Außerhalb der Kindertagesbetreuung liegen Aichtals Personalaufwendungen laut Verwaltung sogar leicht unter dem Durchschnitt der Vergleichskommunen. Die überdurchschnittliche Belastung entsteht nahezu vollständig im Kita-Bereich. Allein bei Leitung und Organisation sieht die Verwaltung 215.000 Euro jährliches Einsparpotenzial. Der Gemeinderat will nun erneut über eine Gesamtstrategie nachdenken. Das ist legitim. Wer aber eine umfassend durchgerechnete Lösung verwirft, übernimmt auch Verantwortung für eine bessere Alternative. Diese muss zügig auf den Tisch – pädagogisch überzeugend und transparent über den gesamten Lebenszyklus gerechnet. Strukturpolitik ist auch Haushaltspolitik. Das Schlechteste wäre, wieder Jahre verstreichen zu lassen, um am Ende viel Geld in den Erhalt alter Strukturen zu investieren.
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