Leserbriefe

Missgunst statt Solidarität

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „Hohe Dunkelziffer bei Sozialhilfebetrug“ vom 13. Juli.

Das Land ächzt unter einer anwachsenden Alterung, weniger Kinder kommen, Migranten werden ausgeladen und ungenügend integriert, und dazu kommt die Benachteiligung einer wachsenden Zahl Alleinerziehender, meist Frauen. Deren sowieso schon von Armut bedrohten Kindern wird gerade unrealistisch früh die Unterstützung um knapp 400 Euro monatlich gekürzt. Stimmung wird nicht etwa gegen Steuervermeider und Steuertrickser gemacht, sondern es müssen Dunkelziffern herhalten. Man verbreitet dräuendes Nicht-Wissen, um die Auslese zu verstärken. Das muss man sich leisten können.

Uns fehlen Nachwuchs, gute Bildung und Chancengleichheit. Niemand will, egal wo, Betrug. Aber regelmäßig dunkle Stimmung gegen Sozialhilfe für die Schwächsten zu befördern, ist pures Gift. Die Welt am Sonntag ist ein schlechtes Vorbild und das schlichte Nachschreiben auch. Dass Journalisten nicht wenigstens die Überschriften verantwortungsvoll wählen, verstärkt eine vorherrschende dunkle Missgunst. Muss das sein? Licht kommt von denen, denen die gesellschaftliche Solidargemeinschaft etwas wert ist und deren Beitrag eine Grundvoraussetzung unserer aller Zukunftsfähigkeit ist und bleibt.

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