Dorothea Lottermann, Wendlingen. Zum Artikel „Draußen Proteste, drinnen Schadenfreude“ vom 6. Juli.
Am 4. Juli 1926 hielt die NSDAP ihren Reichsparteitag in Weimar ab und gründete die Hitlerjugend. Genau 100 Jahre später tagte die AfD in Erfurt. Führende Vertreter der in Teilen rechtsextremen Partei kündigten selbstbewusst künftige Wahlsiege sowie eine Regierungsübernahme an. Doch worüber wurde berichtet? Vor allem über Krawalle, Polizeieinsätze und Auseinandersetzungen. Ziehen nur Schlagzeilen, die Angst und Unsicherheit erzeugen, die Aufmerksamkeit der Leser?
Weniger Beachtung fand jedoch, was das Bild der Stadt tatsächlich prägte: friedlicher Protest. Unter dem Ruf „Wehrt euch, leistet Widerstand gegen den Faschismus hier im Land“ demonstrierten Tausende für Demokratie, Rechtsstaat und Menschenwürde. Schätzungsweise 50.000 Menschen kamen am 4. und 5. Juli nach Erfurt, um sich für eine freie, offene und vielfältige Gesellschaft einzusetzen.
Überall in der Innenstadt gab es Konzerte, Diskussionen und kreative Aktionen für die Demokratie. Wer dabei war, erlebte Ideenreichtum, Engagement und Zuversicht. Menschen diskutierten darüber, wie das Zusammenleben verbessert werden kann und welche Folgen es für Staat und Gesellschaft hätte, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die Regierung stellen würde.
Diese friedliche, demokratische Seite Erfurts hätte mehr Aufmerksamkeit verdient. Stattdessen dominierten Bilder der Randale. Das wird dem tatsächlichen Geschehen nicht gerecht.
Leserbriefe | 13.07.2026 - 05:00
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Leserbriefe | 13.07.2026 - 05:00
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