Leserbriefe

Märtyrer der Demokratie

Reinmar Wipper, Nürtingen.

Dem Bündnis Sahra Wagenknecht fehlte vor einem Jahr 9529 Stimmen, um über die Fünfprozenthürde zu kommen. Zu einer Neuauszählung ist es nie gekommen, weil die etablierten Parteien gegen den Wunsch des BSW gemauert haben. Dabei hätte ja an dem Verdacht , dass auf manchen Wahlscheinen Verwechslungen zu unerwünschten Kreuzchen geführt haben, was dran sein können.

Der BaWü-CDU fehlen aktuell dreimal so viele Stimmen, um den Grünen den Rang abzulaufen, nämlich 27.312, zweifelsfrei ausgezählt. Und schon werden Forderungen laut, Cem Özdemir müsste doch eigentlich mit Manuel Hagel eine Zwillingspräsidentschaft eingehen. Özdemir nennt das Quatsch. Ich nenne es Sandkastenlogik: Wir wollen gemeinsam mit dem Schaufelchen sandeln, weil wir nur eines haben, einmal darfst du schaufeln, das andermal ich.

Man stelle sich nur mal vor, es wäre andersherum. Jens Spahn würde Schnappatmung bekommen und schnauben wie Siegfrieds Drache. Und über Cem Özdemir würde ein Shitstorm hereinbrechen, weil er mit ehernen Gewohnheiten brechen wollte.

Die Wahlanalysen sind ohnehin naiv. Die FDP ist rausgeflogen, die SPD abgeschmiert. Aber nicht, weil sich ihre Wähler abgewendet hätten. Viele sahen die geringen Chancen ihrer Parteien, wollten die AfD möglichst klein halten und haben sich eben für Özdemir oder Hagel entschieden. Mit dem bekannten Ergebnis. FDP und SPD sind eher Märtyrer der Demokratie als deren Restposten.

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