Joachim Braun, Nürtingen. Zum Artikel „Bundesregierung will KI-Ausbau vorantreiben“ vom 19. März.
„Mit was denn?“ – das war mein erster Gedanke beim Frühstück, als ich in der Zeitung von den KI-Plänen der Bundesregierung las. Digitalminister Wildberger (CDU) will die Kapazitäten bis 2030 vervierfachen, am liebsten auf „Brachflächen ehemaliger Industriebetriebe“. Man muss die Ironie erst einmal sacken lassen: Wir wollen digitale Hochtechnologie dort ansiedeln, wo wir zuvor die Industrie durch eine irrwitzige Energiepolitik in die Knie gezwungen haben.
Während Herr Wildberger „am Strompreis arbeitet“, zahlt die Industrie in den USA aktuell etwa acht Cent pro Kilowattstunde – bei uns liegt der Preis für nicht-privilegierte Betriebe oft beim Dreifachen. Welches Unternehmen soll hier investieren, wenn der wichtigste Rohstoff für KI – der Strom – im Ausland nur einen Bruchteil kostet? Schon 2025 mussten wir rund 22 Milliarden Kilowattstunden Strom netto aus dem Ausland zukaufen, oft als teuren Atomstrom aus Frankreich. An kritischen Tagen importieren wir bis zu 12 Gigawatt Leistung – und nein, Herr Özdemir, das sind keine „Gigabyte“. Eine Vervierfachung der KI-Leistung würde weitere sechs Gigawatt Dauerlast fressen. Woher die kommen sollen, wenn die Sonne nicht scheint, bleibt das Geheimnis der Berliner Märchenstunde.
Wer glaubt, auf den Ruinen unserer Industrie ein digitales Wirtschaftswunder zu errichten, während die Wertschöpfung in den USA bleibt und uns nur die Stromrechnung geliefert wird, der hat den „Vollwaschgang“ der offiziellen Propaganda bereits hinter sich. Bevor wir über KI philosophieren, sollte die Politik erklären, wie sie 2030 überhaupt noch eine Kaffeemaschine betreiben will, ohne den Bürger vollends zu enteignen.
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