Jürgen Müller, Köngen. Zu „ADAC fordert Ende der 12-Uhr-Regel“ und Kommentar „Die 12-Uhr-Regel ist unsinnig“ vom 24. September.
Erstaunt habe ich die Forderung des ADAC nach dem Ende der 12-Uhr-Regel für die Tankstellen und den zustimmenden Kommentar von Dorothee Torebeko zur Kenntnis genommen. Die im Zeitungsartikel genannte Begründung des ADAC, die Maßnahme habe die Preise „keinesfalls gesenkt“, ist geradezu abenteuerlich. Wer hat das erwartet? Denn dass die Kraftstoffpreise mit dem Ölpreis steigen, kann höchstens mit einem sogenannten Spritpreisdeckel verhindert werden.
Dem zweiten Argument, dass sich die Zusatzkosten derer, die nach zwölf Uhr tanken müssen, in keiner Weise rechtfertigen lassen, widerspreche ich auch. Die Kostennachteile derer, die nach 12 Uhr tanken müssen, werden durch die Kostenvorteile der Mehrheit der Tankkunden überkompensiert. Nämlich derjenigen, die in der Lage und willens sind, am nächsten Tag morgens oder noch besser vormittags die dann preisgünstigste Tankstelle anzufahren oder vorausschauend das Gleiche am Tag zuvor getan zu haben.
In allen Fällen lässt sich zuverlässig über eine Tankstellen-App herausfinden, welche Tankstelle in der näheren Umgebung aktuell die niedrigsten Preise verlangt. Idealerweise entfaltet diese Vorgehensweise beim Tanken eine erzieherische Wirkung auf die Mineralölkonzerne, wenn deren teure Tankstellen Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Die ersatzlose Abschaffung der 12-Uhr-Regel dagegen bedeutet, dass die Mineralölkonzerne ihre frühere Vorgehensweise wieder aufnehmen und die Kraftstoffpreise beliebig oft am Tag erhöhen oder senken werden. Laut ADAC geschah das in Deutschland im bundesweiten Durchschnitt rund 22 Mal pro Tag. Dadurch kann die Nutzung einer Tankstellen-App ins Leere laufen, weil zum Kunden anlocken kurzzeitig gesenkte Preise wieder erhöht worden sind, bis man die scheinbar günstige Tankstelle erreicht hat.
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