Rolf Bassermann, Nürtingen. Zum Artikel „Hängen geblieben ist vor allem das Gefühl, ein Pionier zu sein“ vom 21. März.
Selbst- und Fremdwahrnehmung klaffen bei Politikern ja oft auseinander. So auch bei unserem scheidenden Ministerpräsidenten. „Ich war im Wahlkreis sehr präsent – viel mehr, als viele denken“. Er sei immer ansprechbar gewesen. Damit sind wir bei seinem Verständnis von Bürgerbeteiligung angekommen, die er so gerne als im Ländle besonders ausgeprägt rühmt.
Die Menschen in seinem Wahlkreis haben ihm in mehreren Aktionen Hunderte und Tausende von Briefen, E-Mails und unterschriebenen Aktionskarten zugeschickt, ohne dass Kretschmann sich zu den darin enthaltenen Aussagen und Forderungen in irgendeiner Weise geäußert hätte. Gehört werden endet für ihn mit schönen Worten. Aber Antworten bleiben aus.
Die Sorgen der Menschen in Nürtingen und der Region nehme er ernst, aber bei der neuen Flugroute sei er ja nicht zuständig. Das hat sein Verkehrsminister auch gesagt. Da wiehert der Amtsschimmel, und der fluglärmgeplagte Bürger wendet sich ab mit Grausen. Denn trotz angeblich fehlender Zuständigkeit ist die neue Flugroute Tedgo-Neu nur durch intransparente, nicht nachvollziehbare und der Demokratie unwürdige Entscheidungsprozesse der Herren Kretschmann und Hermann ermöglicht worden. Sie haben es erst ermöglicht, die Fluglärmkommission um die zwei glühenden Befürworter der neuen Flugroute, Altbach und Deizisau, zu erweitern. Erst dadurch konnte mit der knappen Mehrheit von einer Stimme die neue Flugroute beschlossen werden – ohne „Zuständigkeit der Landesregierung“. Die Folge: Zehntausende mehr Menschen werden seither durch eine unsinnige Verteilung statt Bündelung von Fluglärm belastet. Auch informell kann man also viel erreichen, wenn man denn will, ohne dafür „König von Württemberg“ sein zu müssen.
Hoffentlich werden sich unsere zukünftigen Landtagsabgeordneten Maren Steege und Clara Schweizer stärker für die Interessen ihres Wahlkreises einsetzen. Herr Kretschmann wird sicherlich viel Erfolg haben beim Ausgleichen seines Schlafdefizits.
Leserbriefe | 30.05.2026 - 05:00
Bunker statt Blindflug
Sibylle Heller-Scheufele. Zum Artikel „Das Munitionsdepot ist halb mit Erde bedeckt“ vom 19. Mai.
Ich bin doch ein wenig verwundert, warum man in diesen unsicheren Zeiten vorhandene Bunker für viel Geld unter Erdaushub vergräbt. Gleichzeitig gibt es ...
Leserbriefe | 30.05.2026 - 05:00
Staatsräson darf kein Schweigen bedeuten
Gerhard Härer, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Rechte Regierung schürt rechte Gewalt“ vom 22. Mai.
Vielen Dank für diesen Beitrag! Vorab: Die immer wieder aufgeführte „Staatsräson“ verstehe ich so, dass der Staat Israel mit seinen mehrheitlichen ...