Manuel Krauß, Aichtal-Grötzingen. Zum Artikel „Stadt Aichtal entschuldigt sich bei Musikschule Neckartailfingen“ vom 12. Mai.
Mit großer Erleichterung habe ich gelesen, dass Verwaltung und Gemeinderat in Aichtal ihren Fehler gegenüber der Musikschule Neckartailfingen eingestanden haben. Dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack.
Die nachträgliche Entschuldigung gegenüber der Musikschule Neckartailfingen wirkt wenig überzeugend. Wer erst eine Einrichtung in Existenznot bringt und anschließend einräumt, „einen Fehler gemacht“ zu haben, kann nicht erwarten, dass damit alles erledigt ist.
Offenbar war den Verantwortlichen nicht bewusst – oder es wurde billigend in Kauf genommen –, welche Folgen ihre Entscheidung für Lehrkräfte, Familien und hunderte Musikschüler haben würde. Eine Musikschule ist kein beliebiger Haushaltsposten, den man nach Belieben zusammenstreichen kann. Sie leistet seit Jahren wertvolle Bildungs- und Kulturarbeit in der Region. Dass ihre Existenz durch einen Gemeinderatsbeschluss ernsthaft gefährdet wurde, spricht nicht gerade für sorgfältige Kommunalpolitik.
Besonders fragwürdig ist, dass erst öffentlicher Druck nötig war, damit Verwaltung und Gemeinderat ihren Kurs korrigieren. Das Vertrauen vieler Betroffener dürfte nachhaltig beschädigt sein. Eine Entschuldigung ist das Mindeste – ersetzt aber weder die entstandene Unsicherheit noch den Imageschaden für die Musikschule.
Es ist richtig und wichtig, dass der Gemeinderat nun umgesteuert und den Zuschuss wieder erhöht hat. Wenn allerdings kulturelle und auch sportliche Bildungsangebote vor Ort eine Zukunft haben sollen, braucht es mehr Verantwortungsbewusstsein sowie Weitsicht und ein klares Bekenntnis und weniger kurzfristige Sparpolitik auf dem Rücken von Kindern, Jugendlichen, Eltern und engagierten Lehrkräften sowie Übungsleitern.
Vertrauen zurückzugewinnen dauert deutlich länger als ein Beschluss im Aichtaler Gemeinderat.
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