Gerhard Jakob, Neckartenzlingen. Zum Artikel „Kostengünstiger Wohnraum fehlt“ vom 12. Januar. Es ist eine Binsenweisheit, dass der Naturschutz nicht nur Freunde hat. Zu seinen Gegnern zählen manche Kreise der hohen Politik, vor allem aber auch der Kommunalpolitik. Erinnert sich noch jemand an den früheren Bundes-Wirtschaftsminister Rösler? Er forderte vor ein paar Jahren, Naturschutzgebiete zugunsten eines schnelleren Ausbaus der Stromnetze auszuhebeln. „Dabei geht es vor allem um die Fauna-Flora-Habitat- sowie die Vogelschutzrichtlinie“, so Rösler im Sommer 2012 in einem Interview.
In den letzten Wochen ist ein anderes Argument in Mode gekommen, um Naturschutzgesetze auszuhebeln. Die Flüchtlinge müssen herhalten, um die Schwächung des Naturschutzes zu begründen. Es gibt angeblich kein Bauland mehr, um Wohnungen für die Flüchtlinge zu bauen. Also müssen halt ein paar Landschafts- und Naturschutzgebiete aufgehoben werden, das ist doch logisch, nicht wahr? Mit Schalmeientönen und Formulierungen, die die zwingende Logik für die Notwendigkeit der Aufhebung von Naturschutzbestimmungen beweisen sollen, wird versucht, die Öffentlichkeit einzulullen. Einer, der diese Schalmeientöne meisterhaft beherrscht, ist der Nürtinger Oberbürgermeister Otmar Heirich. „Es geht nicht darum Vorschriften aufzuheben, sondern sie für eine gewisse Zeit auszusetzen“, sagte er in einem Interview mit der Nürtinger Zeitung.
Dieser Schlaumeier! Denn wenn diese „gewisse Zeit“ vorüber ist, sind die in Anspruch genommenen Gebiete irreparabel geschädigt. Die Naturschützer sind daher aufgefordert, sich gegen die Aufweichung der Naturschutzgesetze zu wehren, denn sogar in der EU bestehen Tendenzen, diesen Bestrebungen nachzugeben.
Leserbriefe | 31.12.2025 - 05:00
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