Uwe Jirikowsky, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Aus für Campus Weiherbach“ vom 11. Juni.
Die Entscheidung des Gemeinderats, den Campus Weiherbach zu stoppen, verdient Respekt. Nicht weil Aichtal keine zusätzlichen Betreuungsplätze braucht, sondern weil gefragt werden muss, ob die vorgeschlagene Lösung die richtige war. Am Ende stand ein dreigruppiger Kindergarten mit Kosten von rund 11 Millionen Euro. Das Grundstück gehört der Stadt. Aula, Bibliothek und Schulsanierung waren bereits aus dem Projekt herausgenommen.
Viele Bürger fragen sich, wie eine solche Summe zustande kommt. Es geht dabei nicht um Schuldzuweisungen. Verantwortung tragen Verwaltung, Bürgermeister und Gemeinderat gemeinsam. Dennoch stellt sich die Frage nach den Rollen: Ein Stadtbaumeister sollte wirtschaftliche Alternativen entwickeln und die langfristige Infrastruktur im Blick behalten, ein Stadtkämmerer die finanzielle Handlungsfähigkeit sichern. Wurden Alternativen geprüft? Modulbauweisen? Referenzprojekte anderer Kommunen? Noch wichtiger ist jedoch eine andere Frage: Mehr als fünfzig Jahre nach der Gemeindereform wird oft noch aus der Perspektive einzelner Stadtteile gedacht – zu selten als gemeinsame Stadt. Bevor Millionen in einzelne Standorte fließen, muss geklärt werden, wie Aichtals Bildungs- und Betreuungslandschaft langfristig aussehen soll. Ist es sinnvoll, dauerhaft drei Grundschulstandorte vorzuhalten?
Die eigentliche Frage lautet nicht: Wo bauen wir den nächsten Kindergarten? Sondern: Welche Infrastruktur braucht Aichtal in zehn, 20 oder 30 Jahren? Wo bündeln wir, wo investieren wir und was ist für Attraktivität und Zukunftsfähigkeit unverzichtbar? Der Kindergarten ist nicht das Problem. Er macht sichtbar, dass Aichtal eine langfristige Infrastrukturstrategie für die Gesamtstadt braucht.
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