Leserbriefe

Empörende Entwertung des Wählerwillens

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „Raus aus dem Schützengraben“ vom 11. März.

Trefflich erinnert Reiner Ruf in seinem Leitartikel zur Landtagswahl an einige demokratische Grundregeln. Er legt dar, dass die Wähler Özdemir, nicht Hagel an der Spitze wollten. Schon die AfD-Chefin Alice Weidel hatte dafür nur Gekeife übrig. Grünen-Hass, Hass und Spaltung überhaupt, das geht scheinbar immer. Wer so etwas macht, will nicht verstehen, dass Demokratie bedeutet, dass Respekt vor Programmen und Personen, die gewählt wurden, um Verantwortung zu tragen für das Land, unverzichtbar ist. Fehlt das, nimmt unverschämtes Getöse und die anderen Schlecht-machen zu. Dass nun ausgerechnet die CDU das Wahlergebnis nutzen will, um eine Hypothek für die unumgängliche kommende Zusammenarbeit zu erzeugen, indem sie den Gewinner Cem Özdemir schlecht macht, zeigt, wie stark niedrige Machtinstinkte Vorrang haben. Ausgerechnet die CDU beschwert sich und jammert über „Schmutzkampagne“ und „herablassende Arroganz“. Wer erinnert sich nicht an die diffamierenden Reden, die fast täglich die gewählte Ampel-Regierung aufs Übelste runtergeputzt haben, bis nichts mehr ging. Es ging nicht mehr um dringend benötigte Lösungen und Fortschritt für das Land, nur noch ums Ausbremsen und Schlechtmachen. Kaum wieder an der Macht, stellt sich heraus, dass es eben mit Großtuerei, hasserfülltem Dreckwerfen, Herummaulen, Versprechungen vom Wiederaufstieg in goldene Zeiten, nicht getan ist. Die CDU hat sich in den vier Jahren der Opposition eben leider nicht politisch, also inhaltlich, neu aufgestellt, sondern hat sich dem Niveau und der Tonlage der asozialen Medien und dem Stil der Weidel-Partei angeglichen, wo man leere Phrasen drischt und herumsödert, wenn einem jemand droht, das Schäufelchen wegzunehmen. Dass die CDU im Land nun nach Israel-Lösungen und Neuwahlen ruft, stellt eine empörende Entwertung des Wählerwillens und Verantwortungslosigkeit dar. Kretschmanns maßvolle Stabilität adé. Die AfD freut sich über jeden Nachahmer, egal ob das aus Bayern oder aus dem Ländle schallt.

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