Johannes Heimann, Nürtingen. Zu den Artikeln „Merz sieht Russland im Zustand ,tiefster Barbarei‘“ und „USA wollen Iran Einhalten einer roten Linie einbläuen“ vom 19. Februar.
Es macht zuweilen wenig Freude, zum Frühstück die Zeitung aufzuschlagen. Nehmen wir einmal den 19. Februar: Eine Überschrift lautet: „Merz sieht Russland im Zustand ,tiefster Barbarei‘“. Eine weitere: „USA wollen Iran Einhalten einer roten Linie einbläuen“. Skandalös sind nicht nur die gewaltsame Sprache von Merz und der US-Regierung, sondern auch, dass die Zeitung derlei Äußerungen unkommentiert abdruckt. Bedeutet hier Schweigen Zustimmung?
Zu Merz: Offenbar ist der Herr völlig geschichtsvergessen. Einem Deutschen steht es nicht zu, dem Land, das Deutschland zweimal brutal überfallen hat, „tiefste Barbarei“ vorzuwerfen. Eine solche Bemerkung ist mehr als dumm: Merz beleidigt damit nicht nur die russische Regierung, sondern auch die gesamte Zivilbevölkerung. Wie will dieser Kanzler mit der russischen Regierung noch in diplomatische Verhandlungen treten, wenn er sie zuvor derart beleidigt hat? Auch Herr Merz wird nicht verhindern können, dass Russland weiterhin zum Teil in Europa liegt. Diplomatie sieht anders aus.
Zu den USA: Wenn die derzeitige Regierung dieses Staates einem anderen Land etwas „einbläuen“ will, so verstößt dies – wieder einmal – gegen das Völkerrecht. Ist das der Zeitung egal? Warum kommentiert sie das nicht entsprechend? Wer gibt der amerikanischen Regierung das Recht dazu? Auch wenn es gegen den Iran geht, der in schlimmem Maße die Grundrechte mit Füßen tritt, muss gelten: Ein Unrecht hebt das andere nicht auf.
Der unfreiwillige Sprachwitz des Reporters, eine „rote“ Linie „einzubläuen“, macht das Versagen der Presse deutlich: Dabei ginge es darum, Dummheit als Dummheit und Rechtsbruch als Rechtsbruch zu benennen.
Leserbriefe | 30.05.2026 - 05:00
Bunker statt Blindflug
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Leserbriefe | 30.05.2026 - 05:00
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Vielen Dank für diesen Beitrag! Vorab: Die immer wieder aufgeführte „Staatsräson“ verstehe ich so, dass der Staat Israel mit seinen mehrheitlichen ...