Leserbriefe

Bilder, die man nicht vergisst

Rolf Paul Mittendorf, NT-Neckarhausen.

Die ARD-Dokumentation „Putins Propaganda – Wie der Kreml das Volk lenkt“, die am 14. September 2026 um 22.20 Uhr im Ersten ausgestrahlt wurde, hat mich so aufgewühlt, dass ich mich dazu äußern muss. Die Sendung treibt mich um und lässt mir den kalten Schweiß über Rücken und Stirn laufen.

In meinem Kopf läuft ein Film ab, der sich nicht löschen lässt, obwohl die Ereignisse 86 Jahre zurückliegen. Ich war damals gerade vier Jahre alt. Es gab eine Propagandabroschüre mit Aufnahmen, die ich eigentlich nicht sehen sollte – und gerade deshalb wurde ich neugierig. Sie zeigte Bilder von aufgeschlitzten Menschen, die in einem Fluss trieben und auf der Brust ein Plakat trugen.

„Was steht darauf?“, fragte ich meinen Vater. „Fahrt ins Reich“, antwortete er. „Das verstehst du nicht.“ Es war der Auftakt zum Kriegsausbruch. Die Bilder brannten sich so tief in mein Gedächtnis ein, dass ich sie bis heute nicht vergessen habe.

In der Dokumentation wurden aus meiner Erinnerung heraus ähnliche Bilder und Schilderungen präsentiert. Es wurde behauptet, Ukrainer hätten ein dreijähriges Kind ans Kreuz genagelt und dessen Mutter sei von einem Panzer durch die Gegend geschleift worden. Anschließend wurden unter anderem Bilder des Travestiekünstlers Tom Neuwirth als Conchita Wurst gezeigt. Damit sollte offenbar vermittelt werden, dass die westliche Welt zerfalle und von Schwulen und Lesben beherrscht werde.

Grauenhafte Bilder vergisst man nie. Die alten Bilder aus meiner Kindheit flammten nach 86 Jahren wieder in mir auf. Die Hetze, die damals den Krieg anheizte, und die Wirkung solcher Propaganda lassen mich deshalb auch die russische Darstellung von heute mit großer Sorge betrachten. Für mich erinnert sie an jene Mechanismen der Kriegshetze, die ich als Kind erlebt habe.

Meine größte Sorge ist, dass sich Politiker von solcher Propaganda und der aufgeheizten Stimmung zu einem direkten kriegerischen Eingreifen hinreißen lassen. Ich hoffe sehr, dass es dazu nicht kommt.

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