Kai Hansen, Nürtingen. Zum Leserbrief „Die folgenschwerste Fehlentscheidung“ vom 21. März.
Herr Schneider bezeichnet die Auswirkungen des Atomausstiegs als das Todesurteil für Deutschland als Industrienation – und macht dabei ideologische Brandstifter aus. Schon die Verbindung der Begriffe „ideologisch“ und „Brandstifter“ unterstellt jedoch schlechte Absichten und ersetzt zunehmend eine sachliche Argumentation.
Ja, unser Land muss ein besonderes Augenmerk auf die Energieversorgung legen. Ja, der Stromverbrauch wächst kontinuierlich. Doch ein Rückwärtsgang hilft nicht weiter. Es gibt alternative Chancen – wenn man sie konsequent nutzt.
Der Übergang von endlichen fossilen Energiequellen hin zu erneuerbaren Energien braucht Zeit und vor allem nachhaltige Entschlossenheit. Dass es daran mangelt – etwa beim konsequenten Netzausbau oder beim Ausbau erneuerbarer Energien – ist offensichtlich. Auch Unternehmen, die früh in erneuerbare Technologien investiert haben und aufgrund politischer Inkonsequenz in Schwierigkeiten geraten sind, zeigen diese Probleme auf. Dennoch ist das kein Argument dafür, das Rad zurückzudrehen.
Mini-Reaktoren sind weder wirklich „mini“, noch ist bislang überzeugend nachgewiesen, dass ihr Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.
Auch bei der Kernenergie gilt: Wirtschaftlich rentabel war sie vor allem für die Betreiber. Gleichzeitig ist die Endlagerung abgebrannter Brennstäbe seit Jahrzehnten ungelöst und mit hohen Kosten verbunden. Dieser strahlende Müll muss in jede ehrliche Bewertung der Kernenergie einbezogen werden.
Was die Zukunft Deutschlands als Industrienation betrifft: Sie wird eher durch fehlende Innovation und mangelnden politischen Mut geschwächt als durch den Atomausstieg allein. In Sachen Modernität und Balance hinkt das Land seit Jahren hinterher – ein Blick nach Dänemark zeigt mögliche Alternativen.
Sollen also Gas, Atomkraft, Verbrennungsmotor und eine vage „Technologieoffenheit“ die Lösung sein? Ist das nicht vielmehr ein weiteres „Weiter so“? Wer wirtschaftliche Interessen auf dem Rücken unverzichtbarer Koalitionspartner und zulasten der sozialen Grundversorgung verfolgt – etwa in Konstellationen wie CDU/SPD – stärkt letztlich die politischen Ränder.
Leserbriefe | 30.05.2026 - 05:00
Bunker statt Blindflug
Sibylle Heller-Scheufele. Zum Artikel „Das Munitionsdepot ist halb mit Erde bedeckt“ vom 19. Mai.
Ich bin doch ein wenig verwundert, warum man in diesen unsicheren Zeiten vorhandene Bunker für viel Geld unter Erdaushub vergräbt. Gleichzeitig gibt es ...
Leserbriefe | 30.05.2026 - 05:00
Staatsräson darf kein Schweigen bedeuten
Gerhard Härer, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Rechte Regierung schürt rechte Gewalt“ vom 22. Mai.
Vielen Dank für diesen Beitrag! Vorab: Die immer wieder aufgeführte „Staatsräson“ verstehe ich so, dass der Staat Israel mit seinen mehrheitlichen ...