Leserbriefe

Appell an die Vernunft

Raul Guerreiro, Nürtingen.

In einem öffentlichen Bücherschrank im Nürtinger Stadtteil Enzenhardt wurde ein Böller gezündet. Durch die Explosion wurden eine Glasscheibe zerstört und zahlreiche Bücher beschädigt. Die Schäden konnten jedoch schnell durch engagierte Nachbarn beseitigt werden, und sogar eine Spende für eine neue Glasscheibe ging ein. Der Begriff „Vandalismus“ ist hier nicht ganz treffend. Vermutlich handelte es sich eher um eine unbedachte Aktion junger Menschen, die in der Euphorie zum Jahresende ihren Mut erproben und demonstrieren wollten. Viele von uns haben in der eigenen Pubertät Vergleichbares – in größerem oder kleinerem Maßstab – erlebt.

Ganz anders verhält es sich jedoch bei den großdimensionierten Böllerpräparaten und den irrationalen, kriegerischen Strategien, die zunehmend auch in unserem bislang friedlichen Europa gedeihen. Eine militärische Hysterie hat zahlreiche Gesellschaften erfasst und breitet sich beinahe epidemieartig aus. Sie hat inzwischen sogar den Atlantik überquert und dort eine groteske „präsidiale Entführung durch präsidiale Verordnung“ hervorgebracht.

Covid-19 ist überwunden, doch ein anderes Virus scheint nun unsere Atmosphäre zu infizieren: jenes der animalischen Instinkte aus prähistorischen Zeiten. In diesem chaotischen Szenario können nur der Friedensmut und das moralische Bewusstsein jedes einzelnen Bürgers innerhalb der Zivilgesellschaft ein echtes humanes Heilmittel darstellen.

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