Hartmut Wirsching, Beuren. Zu den Artikeln „Deutschland bei Pisa-Studie so schwach wie nie“ und „Niemand wird richtig gefördert“ vom 9. September.
Seit dem Jahr 2000 gibt es die Pisa-Studien. Die Diagnosen sind im Ergebnis immer ähnlich schlecht. Die aktuelle Studie durchbricht allerdings die Negativ-Schallmauer. Georg Picht hat in den 60er-Jahren mit dem Schlagwort „Bildungskatastrophe“ den Zustand unseres Bildungswesens beschrieben und Ralf Dahrendorf hat mit seinem Buch „Bildung ist Bürgerrecht“ auf die schlechte Bildung hingewiesen. In der Folge entstand 1970 der Strukturplan, der das vertikal gegliederte Schulwesen ablösen und für mehr Bildungsgerechtigkeit sorgen sollte.
Seit dieser Zeit hören wir in ständiger Regelmäßigkeit, dass in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern vielen Jugendlichen die grundlegenden Kompetenzen in Lesen, Mathematik und den Naturwissenschaften fehlen und die soziale Herkunft in hohem Maße den Bildungserfolg bestimmt. Das werden wir auch in den nächsten Jahrzehnten immer wieder hören, weil die Politik es nicht schafft, die strukturell notwendigen Veränderungen herzustellen. Der Kommentar von Tobias Peter in der gleichen Ausgabe der Zeitung trifft den wunden Punkt der Bildungsmisere: Das System muss sich ändern.
Dabei dürfte ein Blick auf die Bildungssysteme in Skandinavien, Estland und andere europäische Länder als Vorbild genügen. Hier werden im Vergleich zu Deutschland die Schüler nicht nach Schularten sortiert. In diesen Ländern steht gemeinsames Lernen im Vordergrund. Deshalb muss es erklärtes bildungspolitisches Ziel sein, alle Kinder und Jugendlichen entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten angemessen und intensiv zu fördern. Hierzu sind massive finanzielle Investitionen in die Lehrerausbildung, in die personelle und sächliche Ausstattung von Schulen notwendig, um ein unterfinanziertes, ungerechtes und marodes Bildungssystem zu sanieren. Von Johann Wolfgang von Goethe stammt der Satz: „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Leserbriefe | 29.10.2026 - 05:00
Zur Nürtinger Illusion von Inklusion
Christoph Röcker, Nürtingen. Zu den Artikeln „Astrid Fridrich spielt nicht nur mit“ vom 10. Oktober und „Spatenstich für eine neue Perle am Neckarufer“ vom 29. September.
Es ist mehr als legitim, wenn Fritz Eisele für den Namen der Freiflächen um ...
Leserbriefe | 29.10.2026 - 05:00
Moral mit zweierlei Maß
Klaus Doster, Frickenhausen. Zum Artikel „Audi-Milliarden-Investition in den USA“ und Kommentar „Peinliche Wahlkampfhilfe“ vom 26. Oktober.
Ein CEO ist in erster Linie seinem Unternehmen verpflichtet und in der aktuellen Situation von Audi und VW ...