Gesundheit im Alltag

Antientzündliche Ernährung: Was wirklich hilft – Experte der Medius-Klinik Kirchheim informiert

Warum bestimmte Lebensmittel Entzündungen fördern oder hemmen können, erklärt Oberarzt Dr. Bastian Walz von der Medius-Klinik Kirchheim.

Rheuma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthrose – bei all diesen Erkrankungen soll eine antientzündliche Ernährung die Symptome lindern. Welche Ernährungstipps lassen sich wissenschaftlich belegen und was lässt sich mit antientzündlicher Ernährung erreichen?

Was sind Entzündungen?

Entzündungen sind Teil unserer Immunabwehr und helfen dem Körper, Infektionen zu bekämpfen oder Verletzungen zu heilen. „Eine Entzündung ist zunächst eine sinnvolle Reaktion des Körpers: Das Immunsystem reagiert auf einen schädigenden Reiz – beispielsweise Keime oder eine Verletzung“, erklärt Dr. med. Bastian Walz, Leitender Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin, Rheumatologie, Pneumologie, Nephrologie und Diabetologie der Medius-Klinik Kirchheim. Problematisch wird es, wenn Entzündungsprozesse ohne erkennbaren Auslöser oder „überschießend“ ablaufen. Dann spricht man von chronischen oder „stillen“ Entzündungen. Sie werden mit Alterungsprozessen und verschiedenen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht – darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Arthrose und neurodegenerative Erkrankungen.

Auch Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Lupus, Multiple Sklerose oder bestimmte Formen von Gefäßentzündungen (Vaskulitiden) führen zu chronischen Entzündungsreaktionen. Hier greift das Immunsystem körpereigene Strukturen an – etwa Gelenke, Blutgefäße oder Organe. „Gerade bei systemischen Autoimmunerkrankungen ist eine präzise Diagnostik entscheidend, um Organschäden zu verhindern. Ernährung kann unterstützend wirken – ersetzt aber niemals eine gezielte immunmodulatorische Therapie“, betont Dr. Walz.

Warum Ernährung manche Entzündungen beeinflusst

Was wir essen, beeinflusst Stoffwechselprozesse, Darmflora und Immunreaktionen. Bestimmte Nahrungsmittel wirken eher entzündungsfördernd, andere entzündungshemmend.

Wie stark Ernährung wirkt, hängt jedoch entscheidend von der Ursache der Entzündung ab:

  • Akute Infektionen lassen sich durch Ernährung kaum beeinflussen.
  • Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Multiple Sklerose können durch Ernährung nicht geheilt werden.
  • Allerdings kann eine antientzündliche Ernährung bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen Beschwerden lindern und möglicherweise Krankheitsaktivität positiv beeinflussen. „Eine ausgewogene, antientzündlich ausgerichtete Ernährung kann die medikamentöse Therapie sinnvoll ergänzen – insbesondere, wenn Schmerzen bestehen. Sie ist jedoch kein Ersatz für eine leitliniengerechte Behandlung“, so Dr. Walz.
  • Besonders gut beeinflussen lässt sich eine entzündliche Stoffwechsellage beim metabolischen Syndrom – also beim gemeinsamen Auftreten von Übergewicht, Bluthochdruck, gestörtem Zuckerstoffwechsel und erhöhten Blutfetten.

Hier wirkt Ernährung gleich doppelt:

Entzündungshemmende Lebensmittel reduzieren entzündliche Signalstoffe. Gewichtsabnahme – insbesondere der Abbau von Bauchfett – senkt die Entzündungsaktivität deutlich.

Wie antientzündliche Lebensmittel wirken:

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) aus fettreichen Meeresfischen wie Lachs, Makrele oder Hering hemmen entzündungsfördernde Botenstoffe im Körper. Pflanzliche Quellen wie Leinöl, Chiasamen oder Walnüsse liefern ebenfalls wertvolle Fettsäuren.

Antioxidantien

Antioxidantien aus Obst, Gemüse und Kräutern neutralisieren freie Radikale. Da entzündliche Prozesse mit oxidativem Stress einhergehen, können antioxidative Substanzen entzündliche Reaktionen abschwächen. Nicht verarbeitete Rohkost ist hierfür besonders geeignet.

Ballaststoffe und Darmflora

Ballaststoffe aus Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen fördern eine gesunde Darmflora. Darmbakterien produzieren daraus kurzkettige Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken können.

Die wichtigsten Bausteine einer antientzündlichen Ernährung

1. Viel buntes Gemüse und Obst

Beeren, Zitrusfrüchte, Blattgemüse, Brokkoli, Paprika oder Kirschen liefern sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine mit antioxidativer Wirkung.

2. Omega-3-reiche Lebensmittel

Ein bis zwei Portionen fettreicher Seefisch pro Woche gelten als sinnvoll. Ergänzend: Leinsamen, Walnüsse, Chiasamen.

3. Nüsse, Samen und Vollkornprodukte

Sie liefern Ballaststoffe und gesunde Fette.

4. Gewürze und Kräuter

Bestimmte Gewürze enthalten bioaktive Substanzen:

Curcuma (Curcumin)

Ingwer (Gingerole)

Knoblauch

Chili

5. Hochwertige Fette

Olivenöl, Rapsöl und Leinöl enthalten einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren mit günstiger Wirkung auf Entzündungsprozesse.

Lebensmittel, die Entzündungen fördern können

  • Raffinierte Kohlenhydrate (zum Beispiel Weißbrot, Gebäck)
  • Zuckerreiche Getränke
  • Stark verarbeitete Produkte und Fast Food
  • Hoher Konsum von rotem, insbesondere verarbeitetem Fleisch
  • Tierische Fette

Diese können Blutzuckerschwankungen verstärken, Gewichtszunahme fördern und entzündliche Prozesse begünstigen.

Praktische Tipps für den Alltag

  • Farben auf dem Teller: Je vielfältiger das Gemüse und Obst, desto mehr unterschiedliche Pflanzenstoffe.
  • Täglich Ballaststoffe: Vollkornbrot, Hülsenfrüchte und Salat als Basis jeder Mahlzeit.
  • Fisch ein bis zwei Mal pro Woche: Besonders fettreiche Sorten für Omega‑3.
  • Wasser und Tee statt Softdrinks: Grüner Tee liefert zudem extra Antioxidantien.
  • Gewürze nutzen statt Salz und Fertigsoßen: mehr Geschmack, mehr Gesundheit

Eine antientzündliche Ernährung kann chronische Entzündungsprozesse positiv beeinflussen – insbesondere bei Stoffwechselerkrankungen und begleitend bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Sie ersetzt jedoch keine medizinische Therapie.

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