Geschichten aus der Klinik

Therapiehund Terence: Wie ein Labrador in Nürtinger Klinik Lebensfreude auf vier Pfoten schenkt

Ein Hund, der mehr bewirkt als Worte: Terence bringt Nähe, Ruhe und neue Energie in den Krankenhausalltag der Medius-Klinik Nürtingen. Gemeinsam mit seiner Hundeführerin Johanna Reichel-Todorow ist er auf der Geriatrie- und der Palliativstation im Einsatz.

NÜRTINGEN. Terence hebt kurz den Kopf, wedelt freundlich mit dem Schwanz und geht dann zielstrebig auf eine Patientin zu. Ohne Aufforderung legt sich der vierjährige Labrador neben ihr Bett. Die Frau beginnt zu lächeln und streicht ihm vorsichtig über das Fell. Es ist eine unspektakuläre Szene – und doch eine, die viel über die besondere Rolle des Therapiebegleithundes an der Medius-Klinik Nürtingen erzählt.

Ein eingespieltes Team

Gemeinsam mit seiner Hundeführerin Johanna Reichel-Todorow ist Terence regelmäßig auf der Geriatrie und der Palliativstation im Einsatz. Die Diplom-Logopädin und der ruhige Labrador sind ein eingespieltes Team. Schon als Welpe zeigte Terence ein außergewöhnlich menschenbezogenes Wesen. Nach einer rund einjährigen, intensiven Ausbildung mit Theorie- und Praxiseinheiten erhielt das Duo die Zertifizierung als Therapiebegleithundeteam. Dabei ging es nicht nur um Gehorsam, sondern vor allem um das sichere Zusammenspiel zwischen Hund und Hundeführerin – auch unter ungewohnten Bedingungen wie lauten Geräuschen oder hektischen Situationen im Klinikalltag.

„Mir war wichtig, dass wir als Team funktionieren“, sagt Reichel-Todorow. Dazu gehörten auch ungewöhnliche Trainingsinhalte: Terence lernte etwa, Futter nur auf ein klares Signal hin anzunehmen – wichtig in einer Umgebung, in der Medikamente offen herumliegen können. Ebenso wurde geübt, ruhig zu bleiben, wenn Patienten ihn berühren oder sich unsicher bewegen.

Die Diplom-Logopädin Johanna Reichel-Todorow und der Therapiebegleithund Terence sind ein eingespieltes Team. Foto: pm

Motivation im Therapiealltag

Im Stationsalltag zeigt sich schnell, warum Terence so geschätzt wird. Seine bloße Anwesenheit verändert die Atmosphäre. Viele Patientinnen und Patienten reagieren offener, suchen den Kontakt und werden aktiver. Reichel-Todorow setzt den Hund ebenfalls gezielt in ihrer logopädischen Therapie ein. „Wenn jemand sehr leise spricht, sage ich: Versuch es doch einmal bei Terence – er hört besser, wenn du deutlicher sprichst.“ Oft reicht dieser kleine Anstoß, um Hemmungen zu überwinden.

Auch alltägliche Handlungen gewinnen durch den Hund an Bedeutung. Das Befüllen der Futterschüssel oder ein kurzer gemeinsamer Spaziergang fördern Bewegung, Koordination und Selbstständigkeit. Studien weisen zudem darauf hin, dass Tiere positive Effekte auf Blutdruck und emotionales Wohlbefinden haben können. Besonders bei Menschen mit Demenz oder in der palliativen Begleitung wirkt Terence häufig wie ein stiller Vermittler – gerade dort, wo Worte fehlen.

Feingefühl auf der Station

Lebensfreude auf vier Pfoten: Terence ist in der Medius-Klinik in Nürtingen im Einsatz. Foto: pm

Wie feinfühlig der Labrador auf Situationen reagiert, erlebt Reichel-Todorow immer wieder. „Er merkt sofort, wenn jemand Trost braucht“, sagt sie. Dann sucht Terence die Nähe, bleibt ruhig liegen und spendet durch seine Präsenz Sicherheit. Auch das Klinikteam und Besucher freuen sich über seine Besuche. Sie bringen Abwechslung in den Alltag und sorgen oft für kurze, heitere Momente auf der Station.

Mehr als ein Arbeitspartner

Ermöglicht werden die regelmäßigen Einsätze durch den Förderverein Palliativversorgung Medius-Kliniken e.V., der die Kosten übernimmt. Für Reichel-Todorow ist Terence weit mehr als ein Arbeitskollege. „Er ist Familienmitglied und Therapiepartner zugleich.“ Die Verantwortung sei groß, sagt sie, doch die Wirkung, die der Hund bei den Menschen entfaltet, sei jeden Aufwand wert.

Wie lange Terence noch im Klinikalltag unterwegs sein wird, entscheidet am Ende der Hund selbst. Bis dahin bleibt er das, was er für viele Patientinnen und Patienten längst ist: ein ruhiger Begleiter mit feinem Gespür – und ein kleines Stück Lebensfreude auf vier Pfoten.

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