Geschichten aus der Klinik
Wenn ein Leben endet: Die bewegende Arbeit des Fördervereins Palliativversorgung der Medius-Kliniken
Der Förderverein Palliativversorgung Medius-Kliniken e.V. ist ein unverzichtbarer Partner in der Palliativversorgung im Landkreis Esslingen. Schriftführerin Tanja Franz spricht über die Arbeit des Vereins.
NÜRTINGEN/OSTFILDERN-RUIT. Palliativmedizin ist ein ganzheitlicher Ansatz, der Menschen versorgt, die an unheilbaren, fortschreitenden Krankheiten leiden. Ziel ist es, Symptome zu lindern und die Lebensqualität am Lebensende zu verbessern. An immer mehr Kliniken gibt es Palliativstationen, so auch an den Medius-Kliniken in Nürtingen und Ostfildern-Ruit und zusätzlich eine Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV). Hier versuchen spezialisierte Teams gemeinsam mit dem Umfeld der Betroffenen, den schwerkranken Patienten umfassende Hilfestellungen zu geben, um selbstbestimmt und möglichst frei von Belastungen durch die Erkrankung „den Tagen mehr Leben geben“ zu können.
Der Förderverein Palliativversorgung Medius-Kliniken e.V. spielt eine zentrale Rolle bei der finanziellen Unterstützung der Palliativstation und der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV). Seit seiner Gründung im Jahr 2007 setzt sich der Verein für eine Verbesserung der Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen im Landkreis Esslingen ein. Tanja Franz, Pflegedienstleitung Medius-Klinik Nürtingen und Vorstandsmitglied des Vereins, erklärt, dass der Förderverein sowohl die Palliativstation in Nürtingen und Ruit als auch die SAPV mit Zuwendungen unterstützt, die über die reguläre Finanzierung hinausgehen.
„Die SAPV ist in Deutschland noch nicht flächendeckend vorhanden“, sagt Franz. „Sie sorgt dafür, dass Patienten zu Hause oder in Pflegeheimen bleiben können, auch wenn sie besonders intensive medizinische Versorgung benötigen. Diese spezialisierte Versorgung wird von Ärzten und Pflegekräften direkt zu den Patienten nach Hause oder ins Pflegeheim gebracht. Der Förderverein unterstützt diese Arbeit durch die Finanzierung von Fahrzeugen und Laptops, die für den mobilen Einsatz benötigt werden.“
Herausforderungen in der Finanzierung der Palliativversorgung
Die Finanzierung von Palliativdiensten stellt häufig eine Herausforderung dar, da viele dieser Leistungen nicht im üblichen Fallpauschalensystem der Krankenhäuser enthalten sind. Im Gegensatz zu den regulären Krankenhausleistungen, die pauschal abgerechnet werden, müssen zusätzliche Angebote wie Musiktherapie, Kunsttherapie oder auch die Arbeit mit Therapiebegleithunden wie Terence über externe Quellen wie den Förderverein finanziert werden.
„Das Fallpauschalensystem deckt nur die grundsätzliche medizinische Versorgung ab“, so Franz. „Alles, was darüber hinausgeht, wie etwa besondere Therapien oder der Einsatz eines Therapiehundes, wird nicht übernommen. Hier springen wir ein und finanzieren diese Lücken.“
Spenden als zentrale Einnahmequelle
Der Förderverein lebt vor allem von Spenden, die er von Patienten, deren Angehörigen und anderen Wohltätern erhält. Besonders häufig kommt es vor, dass Angehörige von Verstorbenen in Traueranzeigen darum bitten, auf Geschenke zu verzichten und stattdessen für den Förderverein zu spenden. Auch Spenden zu besonderen Anlässen, wie runden Geburtstagen, tragen zur Finanzierung bei. „Es ist immer wieder beeindruckend, wie oft uns großzügige Spenden erreichen“, sagt Franz.
Der Therapiehund Terence – ein besonderes Projekt
Ein besonders außergewöhnliches Projekt, das der Förderverein unterstützt, ist der Einsatz von Therapiehunden auf der Palliativstation.
„Die Arbeit mit einem Therapiehund fördert das emotionale Wohlbefinden der Patienten“, berichtet Tanja Franz.
Der Förderverein als flexibler Unterstützer
Der Verein unterstützt nicht nur Therapien wie die Arbeit mit Therapiebegleithunden, sondern beispielsweise auch Dinge wie die Anschaffung von Sonnenschirmen für die Terrasse der Nürtinger Station oder von Musikinstrumenten für die Musiktherapie. „Die Medius-Kliniken können solche Ausstattungen in der aktuellen finanziellen Lage nicht alleine stemmen und genau hier kommen wir ins Spiel“, so Franz.
Die Zukunft des Fördervereins
„Ich wünsche mir, dass der Förderverein wächst und wir in den nächsten zehn Jahren die Eine-Million-Euro-Marke an eingegangenen Spenden überschreiten, um den Medius-Kliniken noch besser unter die Arme greifen zu können“, sagt Tanja Franz.
Doch der Förderverein hat nicht nur das Ziel, eine finanzielle Unterstützung zu bieten, sondern auch das Bewusstsein für die Bedeutung der Palliativversorgung in der breiten Öffentlichkeit zu stärken. „Wir müssen das Thema in die Gesellschaft tragen“, erklärt Franz. „Palliativversorgung ist leider immer noch ein Tabuthema und viele Menschen schieben es weg. Dabei ist es wichtig, dass wir über diese Themen sprechen, um ein besseres Verständnis zu schaffen.“
Wie man sich beteiligen kann
Interessierte können sich auf verschiedene Weise in die Arbeit des Fördervereins einbringen – sei es durch eine Mitgliedschaft und den damit verbundenen Beitrag, durch Spenden oder die Teilnahme an den regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen. „Jeder, der sich einbringen möchte, ist herzlich willkommen“, sagt Tanja Franz. „Denn auch kleine Beiträge können Großes bewirken.“
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