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Höchste Expertise für feinste Strukturen: Wie Nürtingen zu einem der führenden Handzentren wurde

Handchirurgie auf Spitzenniveau: Neben der Zulassung zum Schwerstverletzungsartenverfahren wurde die Medius-Klinik Nürtingen auch als FESSH (Federation of European Societies for Surgery of the Hand) Traumazentrum zertifiziert.

NÜRTINGEN. Unsere Hände sind wahre Wunderwerke: Sie greifen kraftvoll zu, heben schwere Lasten, fädeln einen Faden durch ein Nadelöhr oder tanzen virtuos über Klaviertasten. All das gelingt durch das perfekte Zusammenspiel von 27 Knochen, über 30 Muskeln sowie zahlreichen Sehnen und Nerven.

Doch gerade diese Komplexität macht Hände auch anfällig für Verletzungen. Die feinen Strukturen liegen eng beieinander und dicht unter der Haut. Da die Hände ständig im Einsatz sind, kommen sie immer wieder in die Nähe gefährlicher Maschinen oder sind bei Unfällen als Erste betroffen – sei es bei der Arbeit, im Haushalt oder beim Sport. Kein Wunder also, dass Handverletzungen zu den häufigsten Unfallfolgen gehören.

Ein Unfall mit weitreichenden Folgen

So erging es auch Thomas Merl (Name geändert). Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit bei der Arbeit an der Kreissäge führte zu einer hochkomplexen Handverletzung mit mehreren Nerven-, Gefäß- und Sehnendurchtrennungen. Noch vor wenigen Jahren hätte das für den 38-jährigen Schreiner das berufliche Aus oder zumindest eine dauerhaft stark eingeschränkte Funktion seiner Hand bedeutet.

Fortschritte in der modernen Handchirurgie

Doch zum Glück hat die moderne Handchirurgie in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Modernste Technik und mikrochirurgische Operationstechniken ermöglichen es heute, selbst feinste Strukturen wie Nerven und Blutgefäße wieder zu verbinden und somit auch abgetrennte Finger chirurgisch wieder anzufügen. Unter dem Mikroskop arbeiten Spezialistinnen und Spezialisten mit Fäden, die dünner sind als ein Haar, um die Handfunktionen bestmöglich wiederherzustellen.

Weitere Strukturen, wie Sehnen und Knochen, werden ebenfalls mit modernen Techniken so wiederhergestellt, dass die betroffenen Patienten so bald wie möglich ihre Hand wieder einsetzen können.

Thomas Merl wurde nach seinem Unfall in die Medius-Klinik Nürtingen verlegt, die auf solche Eingriffe spezialisiert ist. Hier rekonstruierte ein erfahrenes Ärzteteam unter der Leitung von Chefärztin Professor Dr. Theodora Wahler Sehnen, Nerven und Gefäße seiner Hand.

Zertifizierungen garantieren höchste Standards

Damit Patientinnen und Patienten mit schweren Handverletzungen nach Berufsunfällen eine hoch spezialisierte Behandlung nach neuesten Standards erhalten, gibt es das Schwerstverletzungsartenverfahren Hand (SAV) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Nur wenige Kliniken deutschlandweit, welche die hohen Qualitätsanforderungen der DGUV erfüllen, erhalten die Zulassung für dieses Verfahren.

Professorin Dr. Theodora Wahler, Chefärztin der Klinik für Hand-, Plastische und Ästhetische Chirurgie an der Medius-Klinik Nürtingen. Foto: pm

Die Medius-Klinik Nürtingen hat 2024 die Zulassung für das SAV-Hand-Verfahren erhalten. Damit gehört sie zu einem exklusiven Kreis von Kliniken in Deutschland und ist eine von nur vier Einrichtungen in Baden-Württemberg mit dieser Spezialisierung. Die Zulassung der Klinik ermöglichte die hohe Expertise von Professorin Dr. Theodora Wahler, Chefärztin der Klinik für Hand-, Plastische und Ästhetische Chirurgie, durch ihre langjährige Erfahrung in der Behandlung von berufsbedingten Unfallfolgen an der Hand.

Neben der Zulassung zum Schwerstverletzungsartenverfahren wurde die Medius-Klinik Nürtingen 2025 auch als FESSH (Federation of European Societies for Surgery of the Hand) Traumazentrum zertifiziert.

Voraussetzung für internationale Auszeichnung

Voraussetzung für diese internationale Auszeichnung ist die Erfüllung strenger Auswahlkriterien. Dazu zählen ein 24-stündiger handchirurgischer Notdienst an 365 Tagen im Jahr, ein aus mindestens drei Handchirurgen bestehendes Team mit ausgewiesener Zusatzbezeichnung sowie eine nachprüfbare Anzahl durchgeführter handchirurgischer Notfalleingriffe.

Die FESSH-Zertifizierung der Klinik wurde durch die Anerkennung des Oberarztes Doctor-medic Valeriu Buga als FESSH-Handexperte ermöglicht. Deutschlandweit sind lediglich 30 weitere Kliniken hierfür zertifiziert, ein weiteres Zeichen für die hohe Qualitätsstufe der Handchirurgie an der Medius-Klinik Nürtingen.

Medizin auf höchstem Niveau – direkt in der Region

Dank der SAV-Hand-Zulassung kann die Klinik nun auch sämtliche Handverletzungen nach Berufsunfällen auf höchstem Niveau uneingeschränkt behandeln – sowohl in akuten Notfällen als auch bei langfristigen Folgen von Verletzungen. Auch Patientinnen und Patienten, die aufgrund einer berufsbedingten Unfallverletzung zunächst in einer anderen Klinik versorgt wurden, können zur spezialisierten Weiterbehandlung nach Nürtingen überwiesen werden, sei es ambulant oder stationär.

Für Betroffene bedeutet das: Sie müssen nicht mehr in weit entfernte Spezialkliniken verlegt werden, sondern erhalten exzellente medizinische Versorgung direkt in der Region. Auch für Thomas Merl war das entscheidend. Nach einer intensiven Rehabilitation kann er seine Hand heute fast wie vor dem Unfall benutzen und seinen Beruf als Schreiner weiter ausüben. Ein Erfolg, der zeigt, wie weit die moderne Handchirurgie heute ist – und wie wichtig spezialisierte Zentren wie die Medius-Klinik Nürtingen für die bestmögliche Patientenversorgung sind.

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