Fachthemen und Expertenwissen
Feinstaub und Alzheimer – Kirchheimer Neurologe klärt zu neuer Studie auf
Dr. Uwe Mauz, Chefarzt der Klinik für Neurologie an der Medius-Klinik Kirchheim, ordnet die aktuelle Forschung zu Luftverschmutzung und deren möglicher Auswirkung auf die Gehirngesundheit ein.
KIRCHHEIM. Feinstaub gilt seit Jahren als Risikofaktor für Herz- und Lungenerkrankungen. Neue wissenschaftliche Untersuchungen legen nun nahe, dass Luftverschmutzung möglicherweise auch das Gehirn beeinflussen kann. Eine aktuelle internationale Studie zeigt: Menschen, die über viele Jahre einer höheren Feinstaubbelastung ausgesetzt sind, erkranken statistisch häufiger an Alzheimer.
An der Medius-Klinik Kirchheim beobachten Neurologinnen und Neurologen diese Entwicklung aufmerksam. Dr. med. Uwe Mauz, Chefarzt der Klinik für Neurologie, sieht in den Ergebnissen einen weiteren Hinweis darauf, dass Umweltfaktoren für die Gehirngesundheit eine größere Rolle spielen könnten als bisher angenommen. „Die Forschung zeigt immer deutlicher, dass Luftverschmutzung nicht nur Lunge und Herz betrifft, sondern möglicherweise auch das Gehirn“, sagt Mauz. „Feinstaubpartikel können Entzündungsprozesse im Nervensystem fördern und damit langfristig Nervenzellen schädigen.“
Feinstaub kann auch das Gehirn erreichen
Feinstaub besteht aus winzigen Partikeln, die unter anderem im Straßenverkehr, in Industrieanlagen oder beim Heizen entstehen. Besonders kleine Partikel – sogenannte PM2.5-Partikel – können tief in die Lunge eindringen und von dort über den Blutkreislauf in andere Organe gelangen. „Diese sehr kleinen Partikel können unter bestimmten Umständen auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden“, erklärt Mauz. „Im Gehirn könnten sie Entzündungsreaktionen auslösen oder Gefäße schädigen.“ Solche Prozesse stehen im Verdacht, neurodegenerative Erkrankungen zu begünstigen. Dazu gehört auch die Alzheimer-Erkrankung, die häufigste Form der Demenz. Sie führt zu einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen und äußert sich zunächst meist durch Gedächtnisprobleme. Die aktuelle Studie zeigt zwar keinen direkten Ursache-Wirkungs-Beweis, sie fügt sich jedoch in eine wachsende Zahl wissenschaftlicher Arbeiten ein, die einen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Demenzrisiko untersuchen.
Ganzheitliche Beratung für Patientinnen und Patienten
In der neurologischen Versorgung spielt Prävention eine zunehmend wichtige Rolle. In der Klinik für Neurologie der Medius-Klinik Kirchheim werden Patientinnen und Patienten daher umfassend zu möglichen Risikofaktoren für Demenzerkrankungen beraten. „Feinstaub ist nur ein Faktor unter vielen“, betont Mauz. „Alter, genetische Veranlagung und Gefäßerkrankungen bleiben die wichtigsten Risiken. Aber die Studien zeigen, dass wir auch Umweltfaktoren stärker berücksichtigen sollten.“ Besonders für Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes oder nach einem Schlaganfall sei es wichtig, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Was schützt das Gehirn?
Auch wenn sich Feinstaub im Alltag nicht vollständig vermeiden lässt, können Menschen aktiv etwas für ihre Gehirngesundheit tun. Neben der medizinischen Betreuung spielen Lebensstil und Bewegung eine wichtige Rolle.
Der Neurologe empfiehlt:
- Bewegung möglichst im Grünen, etwa in Parks oder im Wald
- Sport nicht direkt an stark befahrenen Straßen
- Herz-Kreislauf-Risikofaktoren konsequent behandeln lassen
- geistig aktiv bleiben – etwa durch Lesen, Gespräche oder neue Hobbys
- auf ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung achten
„Die wichtigste Botschaft für Patientinnen und Patienten ist: Wir können selbst viel für die Gesundheit unseres Gehirns tun“, sagt Mauz. „Ein aktiver Lebensstil und die Behandlung von Risikofaktoren bleiben die wirksamste Vorsorge.“
Prävention gewinnt an Bedeutung
Für die Medius-Klinik Kirchheim zeigt die aktuelle Forschung einmal mehr, wie wichtig Prävention und Aufklärung sind. Die Neurologie der Klinik behandelt ein breites Spektrum neurologischer Erkrankungen – von Schlaganfällen bis zu Demenz – und begleitet Patientinnen und Patienten auch bei Fragen zur Vorbeugung. „Je früher wir über mögliche Risiken sprechen, desto besser können Menschen ihre Gesundheit schützen“, sagt Mauz. „Prävention beginnt nicht erst in der Klinik – sondern im Alltag.“
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