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Schmotziger Doschtig: So feiern die Narren im Raum Nürtingen

Zum Auftakt der heißen Phase der Fastnacht wurden in vielen Orten die Rathäuser gestürmt. In Frickenhausen ertappten die Waddabolla Weib’r die Panzerknacker auf frischer Tat. In Neckartailfingen wurde nicht nur der Bürgermeister öffentlich zur Rede gestellt, auch in Aichtal und Altenriet mussten sich die Rathauschefs den Narren ergeben. Mehr Bilder finden Sie in unserer Bilderstrecke.

Aichtals Bürgermeister Sebastian Kurz musste sich, in Folie eingewickelt, den Fragen der Klingenbachgeister stellen. Foto: Jürgen Holzwarth
Eine Torte zum 38. Geburtstag für Aichtals Bürgermeister Sebastian Kurz. Foto: Jürgen Holzwarth
Keine Mühe hatten die Grötzinger Klingenbachgeister, den Schlüssel des Aichtaler Rathauses zu rauben. Foto: Jürgen Holzwarth
In Neckartailfingen warten die Kinder gespannt auf den nächsten Programmpunkt „Flip fesseln“. Foto: Sylvia Horlebein
Der Wunsch aus dem vergangenen Jahr wurde überraschend erfüllt. Der Eiswagen wurde nach dem Rathaussturm von den Kindern begeistert angenommen. Foto: Sylvia Horlebein
Evelin Vielhauer von den Blue Diamonds darf unter Aufsicht des Vorsitzenden der Liebenau-Häxa Volker Lutz Bürgermeister Gogel alias Flip die Krawatte kürzen. Foto: Sylvia Horlebein
Die Mini-Glitzersternchen begeistern die Zuschauer. Foto: Sylvia Horlebein
Altenriets Bürgermeister Bernd Müller übergibt den Höllbach-Hexa den Rathaus-Schlüssel. Foto: Lutz Selle
Der Autmut Geist führt den Spießrutenlauf an. Bürgermeister Simon Blessing und sein Team sind als Panzerknacker verkleidet. Foto: Sophie Noël
Zunftmeister Thomas Schorr hält seine Rede auf der Gerichtssaal-Bühne. Foto: Sophie Noël
Waddabolla-Hexe auf der Bühne. Foto: Sophie Noël
Das erste Mal dabei: die Narrenfreunde Thomas, Micha, Schwibi und Litze als Ghoibach Rebellen. Foto: Sophie Noël

Den Auftakt des närrischen Treibens machte Neckartailfingen. Schon um halb zehn Uhr füllte sich der Rathausplatz mit Feuerwehrmännern, Polizisten, Spiderman, Fabelwesen und vielen Gardemädchen. Voller Vorfreude scharrten die Kinder der drei Kindertagesstätten mit den Hufen, bereit das Rathaus zu stürmen und Bürgermeister Wolfgang Gogel auf den Platz zu zerren.

Heuer wurde indes nicht nur der Bürgermeister vorgeführt, auch der „Ortssheriff“ Markus Schützchen vom Gemeindevollzugsdienst musste daran glauben. Unter großem Jubel wurde er in seinem Bienenkostüm nach draußen befördert und innerhalb kürzester Zeit an den Kindernarrenbaum gefesselt. Beim Bürgermeister, der als Grashüpfer Flip verkleidet war, dauerte es schon etwas länger. Mit seinen vier Armen stellte er nicht nur die Kinder, sondern auch eine der Liebenau Häxa vor ungeahnte Herausforderungen.

Dann hieß es warten für die beiden Gefangenen. Zuerst wirbelten die Mini-Glitzersternchen über den Platz, dann warfen die großen Glitzersternchen ihre Beine hoch in die Luft. Danach ging es ans Eingemachte. Volker Lutz, Vorsitzender der Liebenau Häxa, und die Kindergartenkinder zogen ein negatives Resümee bezüglich ihrer Wünsche des vergangenen Jahres: Keine Eisdiele, kein Schwimmbad und auch kein Freizeitpark wurden errichtet. Kein Wunder also, dass diese Wünsche erneut auf den Zetteln der Kinder standen.

Am Ende gab es noch eine Überraschung: Auch wenn es Gogel nicht möglich war, einen dauerhaften Eiswagen für den Ort zu organisieren, nach dem Rathaussturm stand auf einmal einer parat. Begeistert stürmten Kinder und auch Erwachsene los. Auch bei nur acht Grad und nasskaltem Wetter – für ein Eis ist es nie zu kalt.

Spießrutenlauf für das Rathausteam in Frickenhausen

Um kurz nach 12.01 Uhr schallten am Schmotzigen Doschtig mehrere Schussgeräusche über den alten Schulhof in Frickenhausen. Dieses Jahr wurde das Rathaus nur aus der Distanz gestürmt, denn der Ortskern ist momentan eine Baustelle. Folgte man den farbenprächtigen Verkleidungen, fand man dennoch direkt den Ort des Geschehens. Dort mischten sich Lachen, Bier, Rote Wurst und Musik. Aufmerksame Augen blickten zur Bühne, die einen Gerichtssaal darstellte. „Wir Waddabolla Weib’r haben’s überlebt“, sagte Zunftmeister Thomas Schorr in seiner Begrüßungsrede. „Wir zeiget dem Staat, wie man mit Geld umgaat“, führte er fort – passend zu dem Motto des Tages: „Das liebe Geld, wir haben’s nicht.“

Das Thema Geld löste auch in der auf schwäbisch gereimten Rede des LinkMichel viel Emotion und vonseiten des Publikums zustimmendes Kopfnicken aus.

Dann war es so weit: Die Waddabolla Weib’r ertappten das Rathausteam bei ihrem Versuch, die Gemeindekasse zu plündern. Das als Panzerknacker verkleidete Personal wurde in Form eines Spießrutenlaufs auf die Bühne gezerrt. Teil des anschließenden Programms war eine Choreografie zu Liedern wie „Alles nur geklaut“ oder „Ich wär’ so gerne Millionär“. Das ganze Rathausteam tanzte mit. „Das finde ich klasse“, sagte Bürgermeister Simon Blessing und ergänzte lachend: „Jetzt ist das Rathaus leer.“

Zum 22. Mal hatten die Waddabolla Weib’r den Rathaussturm in Frickenhausen organisiert. Dieses Jahr feiert die Tischardter Narrenzunft ihr 25-Jahre-Jubiläum. Ein Dutzend weiterer Zünfte mit insgesamt 150 Personen aus dem Umkreis waren dabei. In voller Instrumentenmontur musizierten die Lenningo-Gugga und die Köngener Sau-Glogg-Gugga. Und unter dem zahlreich erschienenen Publikum feierten die Narrenfreunde Thomas, Micha, Schwibi und Litze die Premiere ihrer Ghoibach Rebellen.

Eine Torte zum Geburtstag für den Bürgermeister in Aichtal

In Aichtal-Aich hatte pünktlich um 11 Uhr 11 Bürgermeister Sebastian Kurz am Donnerstag wieder einmal nichts zu lachen. Die Klingenbachgeister aus Grötzingen, die Aichtaler Täleshexen und die Heulerhexen aus Sielmingen stürmten das Rathaus in Aich über eine Leiter, raubten den Schlüssel und hinterließen ihre Spuren im Büro des Bürgermeisters. Mit viel Konfetti, Luftschlangen und Luftballons wurde der Arbeitstag des Rathauschefs beendet. Da half es auch nicht, dass sich der Schultes als Robin Hood verkleidete und just am Schmotzigen Doschtig seinen 38. Geburtstag feierte. Eingewickelt in Folie musste er sich den Narren stellen. Nur mit einem Fass Bier, Apfelschorle für die vielen Kindergartenkinder und Berlinern konnte er sich wieder auslösen.

Zum Ehrentag des Bürgermeisters gab es von den Narren eine Torte mit Kerzen. Nachdem das eigene Rathaus gestürmt war, ging es für die Geister und Hexen nach Nürtingen, um dort weiter zu feiern.

Versteck im Rathaus in Altenriet war schnell gefunden

Die Altenrieter Höllbach-Hexa haben am Donnerstagvormittag das Rathaus in Altenriet gestürmt. Bürgermeister Bernd Müller hatte versucht, sich auf dem Dachboden des Rathauses zu verstecken. Doch die 14 Höllbach-Hexa hatten ihn schnell gefunden. So wehrte sich der Schultes gar nicht mehr lange und überließ der Narrenzunft den Rathaus-Schlüssel. „Um größeren Schaden von der Gemeinde abzuwenden, übergebe ich euch für die nächsten drei Tage den Schlüssel“, sagte Müller zu den Hexen.

Der Bürgermeister war schlau genug gewesen, sich an Weiberfasnet leger mit Jeans und Pullover zu kleiden und keine Krawatte zu tragen. Im Foyer des Rathauses lud Müller die Narren dann noch zu einem Glas Sekt ein und sagte zu ihnen: „Ihr werdet in den nächsten Tagen gefordert sein. Tut das Beste, um die Farben von Altenriet draußen gut zu präsentieren.“

In der Tat haben die Höllbach-Hexa, die insgesamt 50 Mitglieder haben, derzeit einen vollen Terminkalender. So steht die Teilnahme an acht Umzügen und sieben Hallenveranstaltungen an. Die Höllbach-Hexa sind beispielsweise am Dienstag beim großen Fasnetsumzug in der Stuttgarter Innenstadt dabei und am Sonntag, 18. Februar, beim Umzug in Neuhausen am Rheinfall in der Schweiz. In Altenriet haben sie bereits vor knapp drei Wochen die Kinderfasnet in der Turn- und Festhalle veranstaltet. Wie üblich werden die Höllbach-Hexa dann wieder beim Brezelmarkt von Freitag, 22. März, bis Sonntag, 24. März, aktiv mitmachen.

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