Nürtingen

Kommentar zur Sportplatz-Debatte in Nürtingen: Keine Lösung gefunden

Die meisten Fußballvereine im Stadtgebiet bleiben auf dem Trockenen sitzen. Konkrete Lösungsansätze fehlen. Besonders das Narrativ eines angeblichen Verbots kostet Vertrauen, findet Sportredakteur Julian Kaiser.

Für den Rasen des FV 09 Nürtingen bleibt das Prinzip Hoffnung. Foto: Archiv-Foto/Michael Zaiser

NÜRTINGEN. Monatelang hat die Nürtinger Stadtverwaltung ein angebliches Bewässerungsverbot der Stadtwerke angeführt, um kritische Sportvereine abzublocken. Nur um im Ausschuss beiläufig und achselzuckend einzuräumen, dass eine solche Handhabe überhaupt nicht existiert. Dass sich die zentrale Begründung für die fehlende Bewässerung als heiße Luft entpuppt, ist harter Tobak.

Wer öffentlich Schutzbehauptungen aufstellt, um unbequemen Fragen auszuweichen, verspielt fahrlässig das Vertrauen der Ehrenamtlichen und Sportler, die Woche für Woche vor ihren vertrockneten Plätzen stehen, mit den Folgen zu kämpfen haben. Nicht die einzige Nebelkerze der Stadt, die gerne von zwei Kunstrasen als Ausweichoptionen spricht und erst auf Nachfrage einräumt, dass einer derzeit ausschließlich von einem Verein genutzt werden kann. Der zweite war im August drei Wochen lang gesperrt.

Es entsteht ein falscher Eindruck

Die Lösung für die TSV Oberensingen als klassenhöchste Aktivenmannschaft mit 20 eigenständigen Jugendteams ist ein guter Ansatz, beseitigt aber nicht die Schwierigkeiten der anderen Nürtinger Vereine. Der Eindruck einer Ungleichbehandlung, den beispielsweise die SPV Nürtingen auf ihrem Waldheim schon beklagt hat, droht sich zu verfestigen. Dort, auf dem Wörth oder auch in Neckarhausen, drohen in den kommenden Jahren erneut Wüstenszenarien.

Ansätze, wie diesen Vereinen geholfen werden kann, blieb der Ausschuss schuldig. Perspektivisch müssen Lösungen her, um den Sportbetrieb aufrechtzuerhalten. Dabei geht es nicht nur um Ligaspiele der Aktiven, sondern auch um Trainingseinheiten der Jugend. Auch die Stadt sollte ein Interesse daran haben, Kinder und Jugendliche in Sportvereine zu bringen und dort zu halten. Der demografische Wandel erschwert die Arbeit ohnehin schon. Die Entscheidung, die Plätze im Zweifel erneut vertrocknen zu lassen, ohne einen Plan B zu haben, beschädigt die Attraktivität des Sports in Nürtingen noch einmal massiv.

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