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Aileen Kuhns großer Moment in Tokio

Leichtathletik: Die 21 Jahre alte Wendlingerin begeistert bei den Weltmeisterschaften in Japan als eine der jüngsten Teilnehmerinnen mit Platz neun im Hammerwerfen.

Strahlende WM-Teilnehmerin aus Wendlingen: Aileen Kuhn genießt sichtlich die Atmosphäre im Nationalstadion von Tokio. Foto: Eibner-Pressefoto/Stefan Mayer

„Es ist ein bisschen verrückt, ich habe es noch nicht ganz realisiert.“ Die Glücksgefühle nach einer nervenzehrenden Qualifikation ließen bei Aileen Kuhn nur langsam nach. Es waren am Sonntagmorgen Ortszeit erst ein paar Minuten vergangen, als die ersten Instagram-Posts es verkündeten: Aileen Kuhn hat es bei ihren ersten Weltmeisterschaften ins Finale der besten zwölf Hammerwerferinnen der Welt geschafft, mit einem Wurf auf 70,85 Meter (elfter Platz). Dass Qualifikationen mitunter brutal sein können, zeigte sich am Ausscheiden der Weltjahresbesten Brooke Andersen nach drei ungültigen Würfen sowie der Mitfavoritin Rachel Richeson (beide USA), die bei 66,95 Meter hängen blieb. Auch die zweite Deutsche, Samantha Borutta (Frankfurt), scheiterte als 20. mit 68,96 Meter in der Qualifikation.

Aileen Kuhn gehörte in Japan zu den jüngsten Hammer-Werferinnen. Die gebürtige Nürtingerin, die in Wendlingen aufgewachsen ist, präsentierte sich einen Tag später am Final-Abend vor rund 70.000 Zuschauern im Nationalstadion von Tokio überraschend ruhig und fokussiert. Man sah ihr an, dass sie die großartige Stimmung und Atmosphäre genoss, immer wieder schweiften ihre Blicke in den kurzen Pausen bis zum nächsten Wurf durchs Stadionrund. „Ich dachte immer: Weltmeisterschaften, ich bin 21 Jahre alt, noch so klein und jung, aber das bin ich gar nicht“.

Überraschend ruhig und fokussiert

Aufbauen konnte Aileen Kuhn sich an den hervorragenden Vorleistungen und Erfolgen, die sie in diesem Sommer als U23-Europameisterin und als Deutsche Meisterin erzielt hat. Mit einer Bestleistung von 72,53 Meter angereist, durfte man mit einem Finaleinzug zwar liebäugeln, doch wirklich realistisch schien ein solcher nicht zu sein. Sie sei einfach froh, in diesem Jahr zeigen zu können, was sie drauf habe, und dass sie ihr Niveau so konstant abrufen konnte.

Das Finale eröffnete die Titelverteidigerin und Olympiasiegerin von 2024, Camryn Rogers (Kanada), mit einer Weite von 78,09 Meter. Auch Aileen Kuhn gelang mit der neuntbesten Weite von 69,30 Meter ein guter Einstieg in den Wettkampf. Das gab der 21-Jährigen die nötige Sicherheit für weitere Würfe. Über 69,64 Meter im zweiten flog der vier Kilogramm schwere Wurfhammer im dritten Durchgang auf 71,57 Meter. Mit dieser Weite wurde Kuhn am Ende Neunte, nur zwei Zentimeter hinter der Achtplatzierten Katrine Jacobsen aus Dänemark (71,59). „Es war ein guter Wettkampf, ich bin aber ein bisschen traurig, dass am Ende nur zwei Zentimeter zu den Top acht gefehlt haben“, so die erste Reaktion von Aileen Kuhn, die gerne noch näher an ihre Bestleistung heranwerfen wollte. „Aber es ist ein gutes Ergebnis, ich nehme die wertvollen Erfahrungen aus Tokio mit.“

Nur zwei Zentimeter fehlen für die Top acht

Für Cameryn Rogers endete der Wettkampf schließlich mit dem verdienten Titel. Im zweiten Durchgang warf die Kanadierin mit 80,51 Meter einen neuen Landesrekord und setzte sich mit dieser Weite an die zweite Position der ewigen Weltbestenliste. Silber und Bronze gingen an China durch Jie Zhao (77,60 Meter) und Jiale Zhang (77,10).

Die letzte deutsche Werferin, die bei einer WM in einem Hammerwurf-Finale stand (2017), war übrigens Aileen Kuhns Trainerin Katrin Klaas (41, Bestleistung 76,05 Meter), die das Wettkampfgeschehen allerdings von zuhause aus verfolgte. Betreut wurde Aileen Kuhn in Tokio und zuvor im mehrtägigen Trainingslager in Miyazaki von Hammerwurf-Bundestrainer Helge Zöllkau.

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