Mehr als 7000 Besucher waren in der Nacht zum 1. Mai bis 3 Uhr in 19 Lokalen und den Plätzen der Nürtinger Innenstadt auf den Beinen
NÜRTINGEN. „Toll!“ - „Super!“ - „Das macht heute echt Laune!“ Eine Unzahl positiver Kommentare war in der Nacht zum ersten Mai auf den Straßen der Innenstadt Nürtingens zu hören. Alle galten sie der Neuauflage der Nürtinger Musiknacht, in der nicht nur 26 Bands in 19 Lokalen ihr Publikum begeisterten, sondern auch auf den Plätzen vom Ochsenbrunnen bis zum Schlachthof noch weit nach Mitternacht „der Bär tanzte“. Ungefähr 2000 Besucher hatten keinen der 5400 als „Eintrittskarte“ geltenden Buttons mehr bekommen, reihten sich aber dennoch in die Besucherströme ein und genossen die erste Sommernacht dieses Jahres.
„Das müssen wir öfter nutzen“, entfuhr es Oberbürgermeister Otmar Heirich spontan beim Anblick des mit Menschen gefüllten Platzes zwischen der Kreuzkirche und der Stadthalle. Besucher aus den Nachbarstädten Kirchheim, Göppingen, Esslingen und Reutlingen feierten gemeinsam mit den Nürtingern ein tolles Fest. Sogar aus den Regionen Karlsruhe und München waren Gruppen angereist, um die nunmehr achte Nürtinger Musiknacht mitzuerleben.
Nichts da von wegen „Musiknächtle“, wie sie der Organisator des Kirchheimer Äquivalents den Nürtingern noch vor einem Jahr allenfalls zubilligen wollte. Weil am Samstag der Wettergott endlich auch einmal den Nürtingern gnädig gesinnt war, zog es die Menschen in Scharen in die Innenstadt, wo das reichhaltige Angebot an Speisen und Getränken regen Zuspruch fand. „Wir sind hier seit neun Uhr im Dauerstress“, freute sich Joerg Hauber, der mit seinen Kollegen vom Rotary-Club auch in diesem Jahr wieder für einen guten Zweck Flammkuchen buk und Würstchen briet.
Auch musikalisch war am Samstag eine bisher nicht da gewesene Vielfalt geboten: Relaxte Latino-Rhythmen von „Jefferson’s Yard“ verwöhnten in den Räumen der Freien Kunstakademie, während im gegenüberliegenden Club Kuckucksei „RWPL“ ihrer Neigung zum „Psychedelic“-Sound der frühen Pink Floyd frönten. Chicago-Blues vom Feinsten lieferten „Black Cat Bone“ mit ihrem Gastgitarristen Werner Dannemann und Sängerin Tanja Telschow im Saustall und mit Klezmer-Klängen bezauberten die drei Damen von „Three Times a Lady“ im Panoramasaal der Stadthalle ihr Publikum.
„Das werden ja immer mehr Bands“, wunderte sich Nürtingens Baubürgermeister Wilfried Hajek, der vor der Stadthalle bei einem kühlen Getränk wartete, bis sich die Lage im Zentralsaal des Kulturclubs „ProVisorium“ etwas entspannte. Dort sorgte der als Top-Act geltende David Hanselmann mit seiner Band für einen fantastischen Sound und die Menge für Sauna-Temperaturen, wie man sie auch einen Stock höher im kleinen Saal des „K3N“ bei den Rockabilly-Songs der „Jeepers Creepers“ genießen konnte.
Jeweils vier Bands hatten die beiden Jugendhäuser der Stadt eingeladen: im Jugendhaus am Bahnhof verleiteten vor allem „Los Banditos“ selbst alte Hasen dazu, mal wieder das Tanzbein zu schwingen. Deutsche Texte servierten im „Big Bang“ „Die Springer“, dazwischen beschallten „Mind the Gap“ eine neu hinzugekommene Location, das australische Spezialitätenrestaurant Joe Cook.
Reichlich Aufmerksamkeit zog vor allem eine sehr gelungene Lichtinstallation des Tübinger Künstlers Peter Grotz auf sich. Bunt von innen beleuchtet zog sich eine Reihe von spitzen Kegeln über den Mittelstreifen der Neckarbrücke. An den Flussufern stationierte Gruppen ähnlicher Figuren vervollständigten einen ganz anderen Aspekt der „Stadt am Fluss“.
Aus den USA nach Nürtingen gekommen, rockten „7 - 9 - 7“ in der Brennbar, wo sich eine große Anzahl der Besucher im Freien der lauen Nacht und ihrer ausgelassenen Stimmung hingab. Einen weiteren Brennpunkt fand die Musiknacht auf dem Schlachthof-Areal. Dort vergnügten sich hunderte von Gästen drinnen wie draußen bis tief in die Nacht hinein, während im Schlachthofbräu die „Jungs“ von der Band „Landesrocksanstalt“ mit Oldies und Luze Machado mit ihrer Band „Jazz ’n’ Samba“ (der Name ist Programm) einheizte. Riesenstimmung herrschte auch in und um die alte Seegrasspinnerei, wo die Nürtinger Beat-Urgesteine der Gruppe „Gents“ gemeinsam mit den begeistert tanzenden Zuhörern die Holzdielen des Bodens der Kulturkantine zum Beben brachten.
Vor allem freute sich die für die Organisation verantwortliche Kulturreferentin, Susanne Ackermann, über den friedlich-freundlichen Verlauf der Nacht: „Das Publikum war super, die Musik hat gepasst und wir sind froh“, sagt sie auch im Namen von über 50 Mitarbeitern, „dass diesmal das Wetter mitgespielt hat.“
Fröhliche Menschen belebten Nürtingens Straßen während der 8. Musiknacht. Weitere Bilder auf Seite 21. heb/Foto: Jürgen Holzwarth
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