Nürtingen

Kommentar zur Nürtinger Blitzerfalle: Besser aufklären statt abkassieren

Mit gut sichtbaren Hinweisschildern statt eines Blitzers wäre allen mehr geholfen gewesen, meint Volontär Florian Bauer.

Aus diesem Auto blitzte es am Mittwochmittag an der Schlesierstraße. Foto: Florian Bauer

Regeln sind Regeln. Wer ein Durchfahrtsverbot ignoriert, kann dafür belangt werden – auch dann, wenn eine Schranke offensteht. So weit, so eindeutig. Und trotzdem hinterlässt die Situation an der Schlesierstraße einen bitteren Beigeschmack. Jahrelang war die Schranke geschlossen. Für Autofahrer war damit klar: Hier geht es nicht weiter. Dass die Sperre seit Wochen offenstand, ohne repariert zu werden, ist das eine. Dass aber keine weitere Beschilderung angebracht und so eine Verwirrung der Autofahrer zumindest in Kauf genommen wurde, das andere.

Wer eine solche Situation entschärfen will, muss vor allem eines tun: verständlich kommunizieren. Das ist nicht geschehen. Nein, schlimmer noch: Die aufgrund der wochenlangen B 313-Sperrung ohnehin schwer gebeutelten Nürtinger Autofahrer werden auch noch in eine Verkehrskontrolle gelockt. Es entsteht der Eindruck, dass es der Stadt nicht darum geht, den Verkehr vor Ort tatsächlich zu verbessern und die Anwohner an der Schlesierstraße zu entlasten. Der Verdacht liegt nahe, dass Kontrollen während der Sperrung eine willkommene Möglichkeit sind, der ohnehin nicht prall gefüllten Stadtkasse ein wenig zu helfen. Und auch wenn das nicht der Fall sein sollte: Das ist die Botschaft, die bei den Bürgern ankommt. Dass selbst ein Fahrzeug der Stadt Nürtingen in die Kontrolle gerät und das Blitzlicht auslöst, hat dabei fast schon Comic-Charakter.

Es ist ein ungünstiger Zufall, dass die kaputte Schranke zeitlich genau mit der Vollsperrung der B 313 zusammenfällt und das für noch mehr Verwirrung sorgt. Umso wichtiger ist aber, dass die Stadt auch Ortsfremde an die Hand nimmt und mit einer klaren Verkehrsführung jegliche Missverständnisse vermeidet. Es wäre so einfach gewesen: Wenn es der Stadt um eine wirkliche Verbesserung der Situation gegangen wäre, hätten zusätzliche, gut sichtbare Hinweisschilder mehr bewirkt, als einen Blitzer aufzustellen. Wer Verständnis für Verkehrsregeln und Kontrollen erwartet, sollte den Bürgern nicht unnötig Rätsel aufgeben und diese bestrafen. Er sollte offen und transparent kommunizieren.

Seit Montagnachmittag ist die Schranke nun repariert. Zeit wurde es, und zumindest dieses Problem dürfte damit gelöst sein. Die Wut der Autofahrer wird aber sicherlich noch steigen. Spätestens, wenn in den nächsten Tagen und Wochen reihenweise die Knöllchen in den Briefkästen landen.

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