(bg) Zur Zeit erleben wir, wie eng alles auf der Welt miteinander zusammenhängt. Das ging den Leuten vor über 200 Jahren bereits so ähnlich. Am anderen Ende der Welt fliegt ein Vulkan in die Luft und im Königreich Württemberg ist nichts mehr wie zuvor.
Zwischen dem 10. und dem 15. April 1815 brach der Tambora in Indonesien gewaltig aus. Auf dem Vulkanexplosivitätsindex erreichte die Eruption die zweithöchste Stufe 7. Der Tambora schleuderte so viel Asche in die Atmosphäre, dass das Jahr 1815 als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte einging. Der Berg ist ein Monstrum, neben dem der Vesuv ziemlich winzig wirkt. Vor seinem Ausbruch soll er über 4000 Meter hoch gewesen sein, jetzt sind es noch 2850 Meter. Der Rest flog einfach weg und verursachte eine weltweite Katastrophe.
Schon damals gab es fiese Spekulanten, die ahnten, dass es zu einer schlechten Ernte kommen würde. Sie fuhren über die Dörfer des Königreiches Württemberg und kauften den Bauern ihre Vorräte ab, nur, um sie ihnen später zu einem Vielfachen des Preises wieder zu verkaufen. Es war eine der schlimmsten Hungersnöte des 19. Jahrhunderts, viele wanderten nach Westen oder Osten aus. Vermutlich hatten sie wenig Sinn für die zu dieser Zeit besonders beeindruckenden Wolken und Sonnenuntergänge.
Es wird sogar vermutet, dass Napoleons Niederlage in Waterloo am 18. Juni 1815 dem Vulkanausbruch geschuldet war, da das miese Wetter seine Truppen am schnellen Fortkommen hinderte.
In Indien brach die Cholera aus, nachdem der Monsun erst spät und dann mit voller Wucht und viel Regen niederging. Zwischen 1817 und 1824 gab es eine Pandemie, die sich über Teile Asiens und Ostafrika bis Westeuropa ausbreitete Wie viele Menschen direkt oder indirekt am Ausbruch des Tambora starben, kann nicht beziffert werden.
Gestorben wurde auch im Tierreich, namentlich Pferde fehlten. Für sie war kein Hafer mehr da, also wurden sie geschlachtet. Man sagt, das Fahrrad des Freiherrn von Drais wurde deshalb erfunden, das ist aber nicht sicher. Sicher ist, dass die Gründung der Universität Hohenheim und das Cannstatter Volksfest als Erntefest eine Folge der Naturkatastrophe im fernen Indonesien war.