Informationsabend Bahndurchlass K 1259: Skeptiker trauen Zusagen nicht - Wüste Spekulation über Hintergründe für Aufweitung
BEMPFLINGEN. Die Pläne zur Aufweitung des Bempflinger Bahndurchlasses der K 1259, sie dürften zurzeit das umstrittenste Straßenbauprojekt im gesamten Kreis Esslingen sein. Entsprechend groß war der Andrang der Bürger zum Informationsabend zu dem Projekt am Montagabend im Bempflinger Dorfgemeinschaftshaus.
Vor allem die Gegner der Aufstockung der Durchfahrtshöhe wollten von den Vertretern des Landratsamtes und der Bahn mehr über die Hintergründe hören, die zu den Umbauplänen führten, und ob man den zu erwartenden Schwerlastverkehr ausbremsen kann. Die Antworten, die sie an diesem Abend erhielten, ließen die meisten jedoch mehr als skeptisch zurück. Zum Teil trieben aber auch die Spekulationen wüste Blüten.
Der Stein des Anstoßes ist vor allem die Erhöhung der Durchfahrtshöhe auf das Regelmaß von 4,50 Meter. Damit, so fürchten die Gegner, die sich am vergangenen Freitag offiziell in einer Bürgerinitiative „K 1259 Bahndurchlass“ mit über 30 Mitgliedern gründete, rollen künftig auch die schweren Brummis durch die enge Kleinbettlinger Ortsdurchfahrt.
Für die Initiative macht die Aufweitung wenig Sinn: Denn ein zunehmender Schwerlastverkehr vertrüge sich nicht mit der hohlwegartigen, kurvigen Fortsetzung der Kreisstraße Richtung Grafenberg. Aber auch für Bempflingen bliebe die neue Situation am Bahndamm nicht ohne Folgen: Kritiker befürchten, dass die Fahrzeuge mangels „Nadelöhr Durchlass“ künftig um einiges schneller in den Ort brausen und so vor allem der Schulweg entlang Kleinbettlinger Straße und Bahnhofstraße um einiges gefährlicher wird. Zusätzlicher Schwerlastverkehr würde aber auch an der für Lastzüge kniffligen Einmündung zur Metzinger Straße neue Probleme schaffen (wir berichteten). Eine ganze Reihe von Vertretern von Landrats- und Straßenbauamt und auch der Deutschen Bahn AG sowie einen Verkehrsplaner hatte die Verwaltung deshalb aufgeboten, um die Bürger und die Mitglieder der Gemeinderates über das Vorhaben zu informieren.
Doch bevor die Fachleute das Wort hatten, ließ zunächst Bürgermeister Berndt Heidrich noch einmal die Chronologie der Ereignisse Revue passieren. Und dabei kamen bereits einige interessante Daten zur Sprache: Öffentlich beraten wurde das Thema in Bempflingen erstmals im Oktober 2004. Die Bürger allerdings waren erst Anfang des Jahres auf die Pläne zur Aufweitung des Durchlasses aufmerksam geworden. Und die spitzten vor allem die Ohren, als Torsten Sperling von der DB Netz AG zugab, dass sein Unternehmen bereits seit Juli 2002 vom schlechten Zustand der Brücke weiß. Unter anderem in dem Gutachten: Bis Ende 2006 müsse die neue Brücke stehen, sonst bedeute das erhebliche Einschränkungen für den Zugverkehr. Auch die Gefahr dass die alte Flussstahl-Konstruktion schlagartig bricht bestehe.
Mit der Gemeinde aber setzte sich die Bahn erst mehr als ein Jahr später ins Vernehmen, der Landkreis ist sogar erst seit Mai 2004 mit im Boot bei den Planungen. Der ist es allerdings auch, der auf einer Aufweitung des Durchlasses besteht.
Es sei fraglich, ob die benötigten Zuschüsse aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) fließen würden, belasse man es beim Nadelöhr. Das machten sowohl Wolfgang Schwarz als auch Dezernatsleiter Kurt Fauser mehr als deutlich. Dann, so die klare Aussage, werde dieser Streckenabschnitt nicht mehr seine Funktion als Kreisstraße erfüllen.
Gibt es die Abstufung?
Eine Konsequenz wäre die Abstufung zur Gemeindeverbindungsstraße, und damit blieben die Kosten von rund 11 000 Euro Unterhaltungskosten pro Jahr inklusive Winterdienst, Reinigung und Mäharbeiten künftig an Bempflingen hängen. Auch die Bahn hätte gute Gründe, die jetzt geplante Verlagerung der Trasse nach Süden und den Neubau des Durchlasses 28 Meter unterhalb des alten Tunnels zu favorisieren. Das Unternehmen würde erheblich weniger Sperrzeiten für die Strecke, auf der pro Tag 116 Züge verkehren, brauchen, da das eigentliche Bauwerk neben der Strecke errichtet und dann eingefügt werden könnte. Auch der Verkehr könnte während der Bauzeit weiter fließen. Würde an alter Stelle erneuert, wäre das nicht denkbar. Die Fußgänger und die Kinder auf dem Schulweg müssten ebenso erhebliche Einschränkungen hinnehmen: „Es ist sicher nicht denkbar, dass wir die Passanten durch die Brückenbaustelle führen“, machte Herbert Gier von der DB Projektbau klar. Über einen rund fünf Meter hohen Steg müssten sie von Bahnsteig zu Bahnsteig laufen. - Der Planer stellte die Kosten für die einzelnen Varianten gegenüber. Eine Erneuerung an alter Stelle in den alten Abmessungen käme auf rund 1,2 Millionen Euro plus 80 000 Euro für eine Absenkung der Fahrbahn um rund 40 Zentimeter, die aus Gründen des höheren Gleisbettaufbaus notwendig wird. Alle Kosten dafür blieben an der Deutschen Bahn hängen. Sowohl Kreis als auch Gemeinde müssten nichts bezahlen. Eventuell könnten für Bempflingen aber Kosten entstehen, weil die Wasserleitung ebenfalls tiefer gelegt werden müsste aus Frostschutzgründen, so BM Heidrich.
Die Variante B, die Erneuerung am alten Standort mit Aufweitung auf das Regelmaß von 6,50 Metern Fahrbahnbreite plus drei Meter Gehweg und einem Meter Schrammbord sowie einer Durchfahrtshöhe von 4,50 Metern, würde mit rund 1,8 Millionen Euro zu Buche schlagen plus 500 000 Euro für den Straßenbau. Die durch die Tieferlegung der Straße notwendige Tieferlegung der Leitungen müsste die Gemeinde bezahlen. Nachteil wäre zudem die schlechte Anschließbarkeit der Kleinbettlinger Straße und Bahnhofstraße wegen des großen Höhenunterschiedes. Auch vom Bauablauf her wäre die Variante für die Bahn von Nachteil.
Der Neubau an neuer Position kostet inklusive Verlegung der K 1259, Rad- und Fußweg sowie der Feldwege rund 2,05 Millionen Euro und ist damit die teuerste Lösung. Viele der Bürger reagierten mit Unverständnis. Hier werde für viel Geld ein Bauwerk errichtet, um große Lkw künftig die Fahrt Richtung Kleinbettlingen zu ermöglichen, die aber vor allem aus Sicherheitsgründen nicht wünschenswert sein könnte. Die Bürger befürchten deshalb, dass trotz aller Beteuerungen, der Kreis habe kein Geld, auch das Teilstück gen Kreis Reutlingen schon bald ausgebaut wird, damit der Brummiverkehr hier reibungslos fließen kann.
Bestärkt wird die Bürgerinitiative in ihren Befürchtungen vor allem durch die publik gewordenen Pläne für eine Westrandstraße für Grafenberg, die mit der Erweiterung des Gewerbegebietes Hochsträß und dem Wohngebiet Brunnäcker - wie im neuen Flächennutzungsplanentwurf vorgesehen (wir berichteten) - die Riedericher Straße vom Verkehr entlasten soll und den Ringschluss zur Kleinbettlinger Straße herstellt. Eine Lösung, die aber auch in der Nachbargemeinde derzeit noch kontrovers diskutiert werde, wies Bürgermeister Heidrich dies als Spekulation zurück.
Bürger sind beunruhigt
Niemand könne heute mit Sicherheit sagen, welche Belastungen durch die neue Straße oder die Erweiterung des Gewerbegebietes entstünden. Zudem bleibe die Gemeinde mit Grafenberg im Gespräch. „Wenn ich nicht weiß, was da kommt, lasse ich doch die Finger davon“, hielt ein Bürger unter Applaus vieler Zuhörer dagegen. Ein anderer schoss deutlich schärfer gegen den Nachbarn aus dem Kreis Reutlingen: „Warum sollen wir für die Expansionsgelüste Grafenbergs die Rechnung zahlen?“, so ein Zwischenruf. „Ist Bempflingen ein Bauernopfer für einen großen Deal, der da hinter den Kulissen abläuft?“, mutmaßte ein anderer. Antworten gab es an diesem Abend auf solche Fragen nicht.
Sowohl Fauser als auch Henning Hoyler vom Straßenbauamt zogen sich immer wieder auf die vorgegebenen Regelmaße zurück. Die Kreisbehörde stellte in Aussicht, bei einem steigenden Schwerlastverkehr eine Tonnagenbeschränkung für den Abschnitt Kleinbettlingen-Grafenberg zu verhängen. Der Gemeinderat wird nun in seiner Mai-Sitzung eine schwierige Entscheidung zu treffen haben. Die Bürgerinitiative erinnert auch an den Weg eines Bürgerbegehrens und -entscheides. Notfalls werde man den Weg gehen.
Rund 150 Interessierte waren bei der Informationsveranstaltung; darunter auch Kreisräte. zog
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