NTZ+ Logo Wendlingen

An Mensa-Erweiterung im Schulzentrum in Wendlingen scheiden sich die Geister

Die Planungen für die Generalsanierung des Bildungszentrums Am Berg (BIZ) in Wendlingen gehen in eine entscheidende Phase: Während sich sämtliche Fraktionen zur Sanierung bekennen, wird die Interimsunterbringung der Schüler kontrovers diskutiert.

Der Campus des Bildungszentrums am Berg in Wendlingen: Johannes-Kepler-Realschule und Robert-Bosch-Gymnasium werden kernsaniert. Foto: Archiv

WENDLINGEN. Da eine Containerlösung während der etwa zehnjährigen Sanierungsphase aus finanziellen Gründen und Platzgründen allgemein abgelehnt wird, drängt sich die Frage auf, wo die Schüler solange untergebracht werden sollen. Während als Zwischenlösung die Erstellung eines dreistöckigen Erweiterungsbaus in Holzmodulbauweise von sämtlichen Gemeinderatsfraktionen (und auch dem Regierungspräsidium) für notwendig erachtet wird, ist der strittige Punkt, die geplante Aufstockung der Mensa.

In der Ratssitzung am Dienstag stellte Markus Lämmle, Erster Beigeordneter der Stadt Wendlingen, die Interimsplanung kurz vor. Danach sollen die Johannes-Kepler-Realschule und das Robert-Bosch-Gymnasium abschnittsweise saniert werden. Für jede Schule ist ein Sanierungszeitraum von drei bis vier Jahren geplant. Für diesen Zeitraum werden Ersatzräume für den Unterricht erforderlich. Mit besagtem Erweiterungsbau und der Mensa-Aufstockung, womit drei weitere Räume genutzt werden könnten, neben Räumen im Untergeschoss, und zwei weiteren Klassenzimmern in der Mehrzweckhalle, die für diesen Zweck ebenfalls saniert werden sollen, hätte man ein solides Raumangebot für die Zwischenzeit. „Wir haben weniger Platz als Auslagerungsmöglichkeiten“, verteidigte Lämmle die Notwendigkeit einer Interimnutzung mit Mensa-Aufstockung.

Am Rechenbeispiel für die Johannes-Kepler-Realschule zeigt sich, dass für die Auslagerung des Hauptbaus der JKR ein Defizit von etwa 225 Quadratmetern besteht. Diese können laut Stadt in Abstimmung mit den Schulleitungen jedoch größtenteils kompensiert werden. Klar ist für die Stadt, dass „es zu großen Einschränkungen kommen wird“, sagte Lämmle weiter. „Wir glauben aber auch, das ist die richtige Lösung“, verteidigte er das Vorhaben.

Die CDU hat dazu ihre eigene Sichtweise, die sie in der Sitzung darlegte. Stadtrat Frank Schlegel nannte Gründe, weshalb die CDU sich gegen eine Mensa-Aufstockung ausspricht. Sie sei technisch schwierig. Seiner Meinung nach reicht der Raum auch ohne die Erweiterung der Mensa, wenn man mehr zusammenrücken würde. Die Kernsanierung des Plochinger Gymnasiums war für ihn ebenso „ein Ansatz für Wendlingen“. Dafür müssten jedoch Schüler aus weiter umliegenden Kommunen während der Sanierungsphase abgewiesen werden.

Sinkende Schülerzahlen?

Eine kostengünstigere Lösung als die Aufstockung der Mensa sah seine Fraktionskollegin Lisa Ruisinger, im dreigeschossig geplanten Erweiterungsbau, der ihrer Meinung nach um ein weiteres Stockwerk erhöht werden könnte. Ebenso ins Kalkül einbezogen werden sollten nach ihrem Dafürhalten die sinkenden Schülerzahlen ab 2030 und die Einbindung von Wanderklassen.

Ansgar Lottermann sprach von einer „sinnvollen Ausgabe, die gut investiert“ sei. Differenzen gebe es jedoch bei der Umsetzung. „Eine Aufstockung halten wir für richtig, ein Verzicht ist ohne Ersatz nicht sinnvoll“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten in seinem Plädoyer. Lottermann sah ansonsten darin eine zu große Belastung für die Schüler. Ein Zusammenrücken, wie es die CDU vorschlug, hielt er für schwierig.

Dies brachte Alois Hafner auf den Plan. Der Stadtrat der CDU konterte damit: „Auch wir wollen gute Voraussetzungen für die Schüler.“ Er verteidigte die Ansicht der Christdemokraten: „Das Geld für die drei Räume bei der Aufstockung könnte man sich sparen und stattdessen woanders für die Schulen sinnvoll einsetzen.“

Eine andere Sicht teilte Ursula Vaas-Hochradl. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen verteidigte die Variante mit der Mensa-Aufstockung und dem Erweiterungsbau gegenüber einer Containerlösung, die nicht nur den Schülern nicht zugemutet werden könne, sondern auch kostengünstiger sei wegen der Fördermittel, auf die man sich in vielen Arbeitstreffen mit vielen Beteiligten, darunter auch Schülern und Gemeinderäten, verständigt habe. „Für uns steht fest, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.“

Bernd Dieterle stützte sich bei seinem Statement für die Fraktion der Freien Wähler auf die Expertise der Planer. „Ohne die Aufstockung ist eine sinnvolle Sanierung nicht möglich“, sagte er zu der Interimsplanung mit Erweiterungsbau und Mensa-Aufstockung. „Das ist keine Komfortlösung. Wir werden daher der Vorlage folgen.“

„So eine Entscheidung trifft man nicht aufgrund eines Bauchgefühls“, kommentierte Bürgermeister Steffen Weigel anschließend die Meinung der CDU. Die Fachplaner hätten ihre Vorschläge unter der Prämisse, nur notwendige Kosten zu generieren, gemacht: „Es ist mitnichten so, dass jeder Wunsch der Schulen verwirklicht werden kann. Aber wir haben damit die Möglichkeit, einen guten Unterricht durchführen zu können. Es ist unsere Pflichtaufgabe, genug Schulraum für die Schulen zur Verfügung zu stellen.“ Eine Absage erteilte er auch dem Vorschlag der CDU, Schüler aus anderen Kommunen außer Köngen, Oberboihingen und Unterensingen während der Sanierungszeit woanders hinzulenken.

Wie die tatsächlichen Schülerzahlen in ein paar Jahren aussehen, sei ebenso schwierig, erklärte Markus Lämmle auf die Frage von Lisa Ruisinger. „Wir orientieren uns nicht an Spekulationen als Stadt“, gab Bürgermeister Weigel vor der Abstimmung zu bedenken. Mit sieben Gegenstimmen von der CDU wurde die Aufstockung der Mensa mehrheitlich beschlossen.

Zur Startseite