Neueröffnung Belsers Hotel am Neckar
An Belsers Hotel am Neckar waren viele Unternehmen aus Nürtingen und der Umgebung beteiligt.
In 21 Monaten Bauzeit ist das Hotel von Christer und Lydia Belser mit seinen vier Baukörpern in die Höhe gewachsen. Jetzt ist der Neubau mit Restaurant, Skybar, Day-Spa und Hotel so gut wie fertig – lediglich der Biergarten eröffnet erst im kommenden Jahr.
NÜRTINGEN. Zu übersehen ist der Neubau zwischen Neckarstraße und Nürtingens Neckarufer wirklich nicht. Die vier mit dunklem Holz verschalten Quader ziehen die Blicke auf sich. In ihrem Inneren beherbergen sie 60 Hotelzimmer, das Restaurant Melchior, die Skybar 1816 und einen Spa-Bereich. Oder einfacher gesagt: Belsers Hotel am Neckar.
So mancher, der von den Plänen hörte oder las, befürchtete, dass sich dort ein kompakter Klotz in die Höhe recken würde. Schon eine ganze Weile kann der aufmerksam Beobachtende sehen, dass stattdessen drei jeweils dreigeschossige Baukörper und ein vierter, etwas niedrigerer, entstehen.
Brücken, die verbinden
Verbunden sind sie mittels Brücken. „Jetzt sieht man diese Verbindungsstege noch gut“, erklärt Christer Belser. „Nach und nach werden sie aber zuwachsen.“ Denn auf der unteren Ebene beginnt es alsbald zu ranken und zu grünen. Die Kletterpflanzen werden das grüne Element in der grauen Fassade. „Das soll aber nicht nur hübsch aussehen, sondern sorgt für Sicht- und auch für Lärmschutz.“
Sowieso haben die Themen Nachhaltigkeit und Naturmaterialien einen hohen Stellenwert im neuen Hotel am Neckar. Neben der bereits erwähnten Verkleidung der Außenfassade mit Holz findet sich dieses natürliche Baumaterial an vielen Stellen, wie beim Sichtschutz innerhalb der Zimmer oder in der Innenausstattung. Aber damit nicht genug: Langlebiger Cortenstahl beispielsweise kam ebenfalls zum Einsatz, wie Holz-Alu-Fenster, Terrazzo-Böden, Eichentüren oder Sichtbeton. Auf dem Dach findet sich eine Photovoltaik-Anlage inklusive extensiver Begrünung.
Das Motto „Kein Plastik“ spiegelt sich natürlich auch in der Ausstattung wider. Beispielsweise sind die Bettdecken mit Baumwolle-Satin-Bezügen umhüllt und in der Kaffeemaschine werden Kapseln ohne Umhüllung verwendet.
Einchecken und mehr
Machen wir einen kleinen Rundgang durchs Haus. Der Eingang zum Hotel ist auf der Seite zur Freien Kunstakademie Nürtingen hin – eigentlich gleich hinter dem ehemaligen Pförtnerhäuschen. „Das mussten wir mit dem Kran etwas versetzen“, verrät der Hotelchef. „Ursprünglich stand es nämlich mitten in der Tiefgarage.“
Zusätzlich wurde der neue Platz drumrum neu gepflastert, was nicht nur diesen Bereich, sondern das gesamte Areal aufwertet.
Im heimeligen Foyer mit der großzügigen Theke checkt der Hotelgast ein. Ein kleiner Tisch mit Hockern macht das Warten leicht. „Ich kann mir vorstellen, dass wir dort auch kurze Besprechungen abhalten können.“ Der Hingucker ist eine getöpferte Skulptur von Ute Sibylle Belser. „Meine Mutter ist Töpferin“, erklärt Belser. „Darum werden sich ein paar ihrer Kunstwerke im Hotel finden.“
Ebenfalls ebenerdig auf Ebene 0 sind die Büros und drei Serverräume untergebracht. Das klingt nach überraschend viel IT und Technik, relativiert sich allerdings, wenn man bedenkt, dass dort unter anderem das gesamte Schließsystem verwaltet wird. „Wir haben 100 verschiedene Türen, da kommt jede Menge Elektronik zusammen“, erklärt Christer Belser.
Übrigens: Wer die Größe beziehungsweise die Länge des Hotels erleben möchte, dem empfiehlt sich ein Besuch der Tiefgarage mit ihren rund 50 Stellplätzen. Nur dort sieht man, wie groß beziehungsweise lang das Hotel am Neckar wirklich ist – 102 Meter nämlich!
Das Herzstück des Hotels
Ein Stockwerk darüber, also auf Ebene 1, ist das Restaurant Melchior mit seinen 75 Plätzen. Dorthin gelangen die Gäste ganz bequem über die breite Treppe, wahlweise den Aufzug oder über die Terrasse von der Neckarseite her. „Diese Etage ist unsere Veranstaltungsebene“, erklärt Belser. Hier finden die Besucherinnen und Besucher zum einen das Restaurant mit samt der offenen Küche, zum anderen den Ballsaal, der sich abtrennen oder eben zu einer großzügigen Festebene vereinen lässt. Bei Hochzeiten können dann 130 Gäste an runden Tischen zum Galadinner Platz nehmen.
Zu einer gelungenen Veranstaltung gehören nicht nur ein schönes Ambiente, ausreichend Platz und leckeres Essen, für das das Team um Küchenchef Philipp Bauknecht sorgt, sondern manchmal auch Musik und Tanz. Selbst daran wurde bei der Planung gedacht: Ein hochwertiges Soundsystem sorgt für bestechend klaren Klang.
Das Ambiente im Restaurant lädt zum Nicht-mehr-so-schnell-gehen-wollen ein. Dazu tragen neben Möblierung und Ausstattung die vielen kleinen Dinge bei, die man nicht auf den ersten Blick bemerkt. Wie beispielsweise die Akustiktapete in floraler Optik, die dafür sorgt, dass die Geräuschkulisse gedämpft wird, oder das Lichtkonzept, das für angenehme Helligkeit sorgt. Übrigens: Die Lichter lohnen einen Blick nach oben. Sie sehen aus wie kleine Planeten.
Normalerweise bekommen die Sanitäranlagen nicht allzu viele Zeilen. In diesem Fall jedoch schon. Und auch die Gäste des Hotels am Neckar sollten ihnen einen Besuch abstatten. Während das Waschbecken von allen Geschlechtern gemeinsam benutzt werden darf, wenden sich die Damen nach links und die Herren nach rechts. Keine Sorge – selbst Menschen mit Rechts-Links-Schwäche finden den richtigen Bereich: Die wegweisenden Farben wurden entsprechend gewählt.
Ebenfalls in diesem Gebäude – allerdings ganz oben – lockt die Skybar 1816. Ein wahrlich perfekter Ort, um den Abend ausklingen zu lassen. Ob Chillen im Lounge-Bereich, nette Gespräche an der Bar oder ausgelassenes Tanzen – dort oben wurde an alle Möglichkeiten für einen netten Abend oder eine gelungene Nacht gedacht.
Nicht unerwähnt bleiben soll, wie das Restaurant und die Skybar zu ihrem Namen gekommen sind. Im Jahr 1816 entstand an der Stelle des Hotels eine der frühesten Industrieanlagen Württembergs: Die Baumwollspinnerei Otto, die ab 1883 vom Familienzweig der Melchiors geführt wurde.
Damit haben wir unseren Rundgang im ersten Gebäude beendet, dem „Herzstück des Hotels“, wie Christer Belser es so treffend bezeichnet.
Ach so: Auf was die Gäste noch etwas warten müssen, ist der Biergarten („Ihn realisieren wir erst nächstes Jahr“) und die Grünflächen hin zum Neckar – inklusive Spielplatz. „Bis Ende dieses Jahres soll das alles fertig sein“, hofft Christer Belser.
Schlafen mit Aussicht
Zwischen Restaurant und Skybar befinden sich zwar auch ein paar der 60 Zimmer, aber mehrheitlich sind die Gebäude 2 und 3 für Übernachten und Wohnen vorgesehen.
Selbstverständlich wurde auch bei den Hotelzimmern an die verschiedenen Wünsche und Bedürfnisse der Gäste gedacht. Daher variieren die Räume in Größe und Ausstattung.
So gibt es unter anderem acht Boarding-Zimmer mit einer kleinen Küchenzeile. Dort darf gerne auch gearbeitet werden. Ein stabiles WLAN macht es möglich.
Wer etwas mehr Platz braucht, ist vielleicht in einer der drei Suiten gut untergebracht, die mit einer freistehenden Badewanne bestechen. Die Zimmer oben haben noch eine weitere Besonderheit: einen wirklich großzügigen Balkon – selbstverständlich mit entsprechender Möblierung und einer wirklich tollen Sicht.
Baulich war es nicht möglich, alle Zimmer zum Neckar hin auszurichten. Es gibt auch Zimmer zur Straßenseite. Was jetzt vielleicht etwas laut klingt, ist es überhaupt nicht. Dank guter Isolierung und natürlicher Belüftung ist es selbst dort sehr ruhig. Besser wäre es sowieso, zu sagen, dass sich die Zimmer zum Galgenberg hin orientieren. Denn es ist wirklich überraschend, welche Aus- und Einblicke die Gäste dort oben haben.
Und auch wie viel Grün es auf dieser Seite zu sehen gibt. Echt erstaunlich! In allen Zimmern laden die großen Betten zum Reinkuscheln und Durchschlafen ein. Und wer doch noch etwas Lesen mag – sei es im Handy oder im Buch –, der wird die beweglichen Leuchten zu schätzen wissen.
Selbst dem Interieur-Laien fällt auf, dass sich die Farbe Grün in vielen Varianten und an vielen verschiedenen Stellen wiederfindet, beispielsweise in den Fliesen der Bäder, auf dem Teppich des Flurs und in den Sesseln des Restaurants. Die Farbe lässt an Wälder, Pflanzen und Moos denken und sorgt für Ruhe, Stabilität und Erdung – selbst in der fremden Umgebung.
Und da Grün ja bekanntlich durch seine Komplementärfarbe noch besser zur Geltung kommt, verwundert es nicht, dass der kleine bewegliche Tisch, der sich in manchen Zimmern findet, tomatenrot ist.
Wohltuende Auszeit
Das vierte und letzte Gebäude wollen wir bei unserem Rundgang nicht unerwähnt lassen. Im Gebäude 4 ist der Wellness-Bereich untergebracht. Er ist nicht nur den Hotelgästen vorbehalten, sondern steht jedem offen, der eine wohltuende Auszeit vom Alltag genießen möchte. Ein kleiner Wermutstropfen trübt das Wellnessvergnügen kurzfristig: Die Fertigstellung ist im Sommer geplant.
Damit sind wir zwar am Ende unseres kleinen Rundgangs, aber noch etwas ist am Bau besonders. Wer während der Bauphase an Belsers Hotel vorbeikam, dem fiel wahrscheinlich auf, dass die Namen auf den Fahrzeugen der Handwerker, die vor dem Gebäude parken, von Unternehmen stammen, die er kennt. Das ist zwar nicht selbstverständlich, aber für Bauherr Christer Belser ein Anliegen: „Wenn ich ein solches Projekt realisiere, soll auch die Region etwas davon haben, und darum sind hier vorrangig Betriebe aus der Umgebung beteiligt.“ Von der Region für die Region – dieser Gedanke zieht sich eben bei Christer Belser auf vielfältige Weise durch.