Licht der Hoffnung
Weihnachts-Sumba
Licht der Hoffnung: MoZuluArt ließ spüren, was Lebensfreude bedeutet
Wenn das Königreich Gottes kommt, dann vermutlich unverhofft, vielleicht mit Pauken und Trompeten, aber ganz sicher mit afrikanischem Trommelwirbel und womöglich auch mit zarten Saitenklängen: Wer am Samstag die „afrikanische Weihnacht“ in der evangelischen Kirche in Frickenhausen erlebte, dürfte zumindest keine allzu großen Zweifel daran hegen.
FRICKENHAUSEN. Für das Ensemble MoZuluArt, das beim zweiten Konzert des Festivals der Hoffnung (es wurde dank der Hilfe der Nürtinger Filiale der Baden-Württembergischen Bank möglich) einmal mehr von einem Streichquartett der Wiener Symphoniker unterstützt wurde, sind seine Auftritte für unsere Weihnachtsaktion mittlerweile regelrechte Heimspiele geworden: Das über 500 Jahre alte Gotteshaus platzte schon lange, bevor die ersten Klänge ertönten, aus allen Nähten, und weder Publikum noch Musiker benötigten eine Aufwärmphase: Binnen des Bruchteils einer Sekunde waren beide von null auf hundert.
Wenn es nach diesem Konzert geht, dann sind die Nürtinger die Afrikaner des Schwabenländles: So viel ungebremste Energie, so viel pulsierende Lebensfreude – kaum einer würde ihnen das zutrauen. Und dennoch können sie’s. Sie müssen sich nur trauen. Am Samstag trauten sie sich. Und wie!
„So etwas hab ich noch nie erlebt“, staunte zum Beispiel Vusa Mkhaya nach dem grandiosen Miteinander bei „The Lion sleeps tonight“ zu Beginn des ersten Teils. Die ganze Kirche schien in einen Taumel verfallen zu sein, und nicht nur das erste Licht des Advents strahlte da, sondern jedes einzelne Gesicht. Da gab es keine Barriere mehr zwischen denen da auf der (winzigen) Bühne vor dem Altar und dem Publikum – allesamt wurden sie zu Akteuren.
Weil es eine Herzensverbundenheit zwischen all denen gab, die diesen Abend erlebten und zum Erlebnis werden ließen. Das zeigte sich gerade auch in der im wahrsten Sinne des Wortes andächtigen Stille bei den leisen Nummern, in denen Vusa Mkhaya, Ramadu und Blessings Nkomo von den Tiefen des Lebens erzählten, in denen einem wohl nichts anderes übrig bleibt, als sich hinzulegen, sich hinzugeben und zu beten. Sein Publikum auch dort mit hinunternehmen zu können, wo der Freudentaumel unendlich weit entfernt zu sein scheint, und mit ihm gemeinsam authentisch von dort den Weg vom tiefen Dunkel zurück zum Licht zu beschreiten – das macht den wahren Künstler aus.
Auch das Streichquartett der Wiener Symphoniker bringt sich da toll ein. Lucia Hall und Elisabeth Schmetterer (Violine), Michael Buchmann (Bratsche) und Arne Kircher (Cello) machten noch aus den kleinsten klassischen Miniaturen einen großen Schatz, dem die typischen Zulu-Zungenschnalzer der Sänger dann immer wieder die krönende Perle aufsetzten.
Nicht vergessen darf man bei den Lobeshymnen allerdings Roland Guggenbichler, der im Hintergrund am Klavier sitzt und manchmal gar nicht so richtig da zu sein scheint. So versunken in und mit der Musik ist er. Der bescheidene Wiener ist der Spiritus Rector dieses Projekts, das die Menschen im Innersten erreicht, weil es die guten Saiten tief in der Seele zum Schwingen und Klingen bringt.
Die meisten der Arrangements stammen aus seiner Feder. Und so gut wie alle gehen regelrecht unter die Haut – wie zum Beispiel „Bethlehem“. Dort küssen sich dezente Trommelschläge und zärtliche Streichelklänge so, dass man geradezu körperlich etwas von der Heiligen Nacht spürt.
Und dann ist es auch eigentlich kein Wunder, wenn im nächsten Lied über 300 Menschen in einer Kirche tanzen und „Sumba“ singen. Schreiben wir das hier mal mit S, weil die Variante mit Z ja ein eingetragenes Warenzeichen ist und dieser Fitness-Tanz auch einer festen Choreografie folgt. Die gibt’s hier gottlob nicht. Dank MoZuluArt weiß man aber jetzt, was Weihnachts-Sumba ist: Ganz bei sich sein, dem Rhythmus des eigenen Herzens, dem Tanz der eigenen Seele folgen, Wärme spüren, Nähe schenken, in sich versinken, sich selbst spüren. Welch wunderschöner Start in den Advent!