Licht der Hoffnung
Furioser Tanz auf dem Ätna
Licht der Hoffnung: Vucciria eroberten in der Kelter zu Beuren die Herzen ihres Publikums im Sturm
Es beginnt fast meditativ. Mit der Maultrommel. Aber schnell kennt die Truppe rund um die Sizilianer Pepe Perna und Toti Denaro kein Halten mehr. Vucciria lässt die Funken ihres musikalischen Feuerwerks sprühen – und sie springen auch am Freitag in der Kelter zu Beuren wie ein Blitz über: Das Publikum beim dritten Konzert des Festivals der Hoffnung war schnell einfach hingerissen.
BEUREN. Möglich gemacht hatte das Erlebnis für Auge, Ohr, Herz und Seele die Unterensinger Rechtsanwaltkanzlei Dr. Mitsdörffer, Weible und Kollegen. Auch bei der Halbzeit des Kulturprogramms unserer Weihnachtsaktion konnte (nun schon zum dritten Mal hintereinander) „ausverkauft“ vermeldet werden. Und Vucciria waren im Grunde genau die Richtigen dafür, um der Freude darüber musikalisch Ausdruck zu verleihen.
Jeder ein hervorragender Musiker – und zusammen sind sie unschlagbar
Sizilien ist ein Schmelztiegel all der Kulturen, die sich seit der Antike dort niedergelassen haben. Und vielleicht liegt es gerade daran, dass seine Melodien derart faszinierend sind, dass sich wohl keiner deren Zauber und Lebensfreude entziehen kann.
Und das Tüpfelchen auf das i wurde am Freitag sicher dadurch gesetzt, dass die Jungs von Vucciria (um im Bild der Insel zu bleiben) so etwas wie musikalische Seelen-Fischer sind. Ihre Bühnenpräsenz, ihre Lust am Musizieren, ihre Freude am und mit dem Publikum – all das sucht seinesgleichen und ist kaum anderswo in dieser Form zu finden.
Jeder der fünf ist ein hervorragender Musiker, und gemeinsam ist das Quintett in seinem Genre wohl fast unschlagbar:
Manu Maze kommt einem wie ein Zauberer am Akkordeon vor, der im Hintergrund kleine Glanzlichter aufleuchten lässt, aber bei der Zugabe auch als Solist zu brillieren versteht.
Nicoló Loro Ravenni wiederum ist ein Meister der Blasinstrumente: sei es auf Saxophon, Klarinette oder den für Sizilien typischen kleinen Flöten – überall dort kann er die aberwitzigsten Geschwindigkeiten mitgehen und gibt zuweilen auch das Tempo vor.
Als eine Bereicherung für die Truppe kann ganz sicher auch Stefan Wedam gelten – sowohl an der Gitarre als auch am Cello ein absoluter Könner, der in den verschiedensten Stilrichtungen zu Hause ist und mit seinem eher im Jazz angesiedelten Solo („My life“) begeisterte.
Und damit kommen wir zu den beiden, die schon seit Anbeginn das Herz von Vucciria ausmachen und es voll mediterraner Leidenschaft und Lebenskraft schlagen lassen: Toti Denaro gibt so etwas wie den Hofnarr – der Schalk blitzt ihm das ganze mehr als zweistündige Konzert hindurch aus allen Augenwinkeln. Doch ihn auf die Rolle des Komödianten zu reduzieren, täte ihm unrecht. Wahrlich atemberaubend ist zum Beispiel sein Parforceritt durch die süditalienischen Tambourin-Traditionen – von Neapel über Apulien, Kalabrien und die Basilikata bis zu seiner sizilianischen Heimat. Und wenn er seine Soli mit nur einer Trommel und nur einer Hand zelebriert, dann wähnt man als Zuhörer, er habe eine ganze Schlagzeug-Batterie um sich.
Pepe Perna pflegt schließlich die Tradition des Volks-Musikers im besten Sinne des Wortes. Er spielt die Musik der größten Insel Italiens nicht nur, er singt nicht nur deren Lieder, er lebt sie! Und so nebenbei erfüllt er (gewollt oder ungewollt) auch die Rolle des Botschafters seiner Heimat. Ein Cantautore (wie die Liedermacher in Italien genannt werden) vom Feinsten, einer, der nicht nur die Noten eines Stückes zum Leben erweckt, sondern auch deren Seele.
Einem furiosen Tanz auf dem Ätna konnte man sich mit Vucciria hingeben. Und was besonders schön dabei war: Die sonst als so zurückhaltend und verklemmt geltenden Schwaben beließen es nicht beim Zugucken. Sondern tanzten mit. Begaben sich mitten hinein in den Taumel. Nicht nur mit den Händen, mit denen sie eifrig Beifall klatschten; nicht nur mit dem Mund, aus dem immer wieder herzliches Lachen kam: Sondern auch und vor allem tief drin im Herzen, das einen Abend lang Freudensprünge machte. So schön kann Musik sein!