Nürtingen
Kommentar zum Damm im Tiefenbachtal: Hochwasserschutz kennt auch Alternativen
In der Frage von Schutzmaßnahmen sollte mehr Offenheit vorherrschen, meint Redakteur Uwe Gottwald. Lesen Sie auch den Artikel „Damm im Nürtinger Tiefenbachtal soll nach neuen Plänen noch höher werden“.
NÜRTINGEN. Ein Hochwasser kann verheerend sein und Zerstörung und gar Tod mit sich bringen, wie die Tragödie im Ahrtal gezeigt hat, an die derzeit gedacht wird. Für die vor fünf Jahren betroffenen Gebiete mit teils tief eingeschnittenen, engen Tälern und steilen Hängen sehen Experten, dass ein Schutz ohne Rückhaltebecken nicht hinzubekommen ist. Doch sind die Verhältnisse vielerorts unterschiedlich, weshalb auch differenzierte Maßnahmen möglich sein können.
Auch Anwohner der Kirchheimer Vorstadt in Nürtingen, deren Keller schon einmal vollgelaufen sind, werden bei starken Regenfällen in Alarmbereitschaft sein. Doch selbst von diesen, die bei einer Bürgerbeteiligung vor einigen Jahren einbezogen wurden, kommt nicht durchweg der Ruf nach einem groß dimensionierten Damm im Tiefenbachtal. Dagegen sprechen ein nachhaltig beeinträchtigtes Landschaftsbild und erhebliche Belastungen für den städtischen Haushalt, in dem dann das Geld für andere Aufgaben fehlt.
Auch die Kritiker des Projekts stellen nicht in Abrede, dass es bauliche Maßnahmen braucht, um den Wasserabfluss durch die Vorstadt Richtung Neckar zu minimieren und zeitlich zu verzögern. Ihre Vorschläge zu dezentralen Lösungen werden in der Summe jedoch als zu gering erachtet. Die großen technischen Lösungen scheinen bei den baden-württembergischen Genehmigungsbehörden immer noch das Mittel der Wahl zu sein, obwohl es immer mehr bundesweit anerkannte Experten gibt, die dafür plädieren, das Wasser in der Fläche zurückzuhalten. So könnte es auch mit Blick auf den Klimawandel, statt Schaden anzurichten, zum Nutzen der Ökologie sein. Überdies trägt es nicht gerade zum Vertrauen bei, dass immer wieder neue Zahlen zugrunde gelegt werden.
Dezentrale Maßnahmen allein werden nicht ausreichen, doch sich zunehmend einzumauern wohl auch nicht, weil es allein schon finanziell nicht zu stemmen ist. Es stellt sich die Frage, ob zumindest ein Teil der Mittel nicht besser in den Objektschutz investiert werden sollte, etwa Hauseigentümer bei hochwasserangepassten Maßnahmen zu unterstützen oder auch mobile Schutzelemente vorzuhalten. Städte wie Passau oder Köln machen es vor.