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Leserbriefe

Zwischen größerem und kleinerem Übel

28.07.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Gerhard Steigerwald, Nürtingen.

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, fordert sicherzustellen, dass der medizinische Eingriff eines Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland auch flächendeckend ermöglicht wird. Für viele deutsche Katholiken ist hier das Urteil der Kirche als Hauptverantwortliche für die Verkündigung der Botschaft Christi maßgebend.

Abtreibung ist die Tötung eines unschuldigen Menschen und daher moralisch verwerflich. Gegenüber der knallharten Einstellung früherer Jahrhunderte ist es wohl eine Errungenschaft der Menschlichkeit, für diese Not ein Herz zu entwickeln. Doch darf man dabei so weit gehen, das Lebensrecht des ungeborenen Kindes nicht in Betracht zu ziehen, ja es zu verweigern? Die öffentliche Meinung vermittelt heute diesen Eindruck. 1975 hat das Bundesverfassungsgericht dieses Lebensrecht des Ungeborenen wie seine Würde ausdrücklich festgestellt – auch gegenüber der Mutter. Es gibt kein Recht auf Abtreibung. Irme Stetter-Karp erwähnt dieses Grundrecht der Ungeborenen mit keinem Wort. Zudem entscheidet sie bei diesem schwerwiegenden Problem wie eine Atheistin, die Gottes Wort nicht zu Rate zieht. Sie erwähnt mit keinem Wort Gottes Gebot „Du sollst nicht töten“ und setzt sich nicht damit auseinander.

Ich glaube schon, dass heute alle Beteiligten die Not der Betroffenen im Blick haben, das ist ja auch die Mitte des Christlichen und auch der Sinn der Gebote. Jenseits von Eden gibt es offenkundig Situationen, wo wir Menschen nur die Wahl haben zwischen dem größeren und kleineren Übel – und dabei umso mehr des Erbarmens Gottes bedürfen.

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