Leserbriefe

Werden Spender oder Sterbende gewürdigt?

13.07.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Rosemarie Körner, NT-Oberensingen. Zum Leserbrief „Organspender besser würdigen“ vom 6. Juli. Wie könnte man Organ-Spender besser – überhaupt – würdigen? Als erstes sollte man ihnen die Wahrheit darüber erzählen, wie die Organspende ablaufen könnte. Das stelle ich mir so vor: Ein Mensch kommt ins Krankenhaus, ernsthaft erkrankt oder verunfallt, und bevor der Arzt etwas unternimmt fragt man ihn, ob er eventuell Organe spenden würde. Davon hängt es nämlich stark ab, wie man nun seinen Genesungsprozess gestalten würde.

Allein schon für das Melden eines Organspenders soll das Krankenhaus wohl künftig Prämien bekommen. Dann ist zu überlegen, welche Operationen sich im Hinblick auf eine mögliche Organspende lohnen würden. Was ist rentabler, das Fallhonorar für eine OP oder die Prämie für ein entnommenes Organ? Ach ja, eine Würdigung für den Spender ist da noch nicht akut. Hat man jemanden, bei dem eine Hirntot-Diagnostik sinnvoll sein könnte im Hinblick auf eine Organentnahme, ist derjenige leider schon nicht mehr voll ansprechbar und für eine Würdigung ist nicht der Platz. Trotzdem kann sein Gehirn noch sehr gut funktionieren.

Das weiß ich aus Erzählungen von nahestehenden Menschen, einer davon wurde als hirntot bezeichnet. Er lebt heute noch, aber das Schlimmste in seinem Leben war das Erlebnis, als Toter behandelt zu werden, obwohl er alles noch mitbekommen hat. Er konnte später wörtlich die Gespräche der Ärzte schildern.

Spender würdigen, das wäre, ganz offen über das Dilemma zu reden, dass niemand weiß, ab wann ein Gehirn unwiederbringlich tot ist. Auch Nahtoderfahrungen zeigen, dass es da ein weites Feld gibt, das niemand beweisen oder widerlegen kann. Nicht nach dem Tod, sondern vorher werden die Organe entnommen, mit Narkose, damit der Tote keine Schmerzen hat. Beweis dafür: Es ist immer ein Beatmungsgerät angeschlossen, der Patient hat Puls und eine normale Hautfarbe, ist warm.

Spender würdigen, das heißt für mich, Sterbende zu würdigen. Solange es keinen assistierten Freitod für schwer Kranke gibt, sollte es keine ärztliche Sterbehilfe für Organspender geben. Wie könnte man das Abschalten der künstlichen Beatmung sonst heißen als Sterbehilfe? Kein Organspender stirbt natürlich, jeder stirbt durch die Hand von Ärzten oder Schwestern. Ohne Würde. Ganz ohne Würde, weil ohne Wahrheit, ohne Aufklärung.

Leserbriefe

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