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Was ist denn eigentlich Bildung?

21.04.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Rainer Braun, Wendlingen. Zum Artikel „Eltern verärgert über Grün-Rot“ vom 13. April. Kaum kündigt die neue grün-rote Landesregierung an, am Ende ihrer Legislaturperiode Lehrerstellen abbauen zu wollen, schon regt sich von allen Seiten Widerstand. Elternverbände befürchten noch mehr Unterrichtsausfall, Lehrerverbände sehen ihren Bildungsauftrag in Gefahr und die neue Opposition prophezeit das Scheitern ihrer Bildungsoffensive. Doch als Vater von zwei Kindern stellt sich mir schon seit geraumer Zeit die Frage: Was ist das eigentlich, Bildung? Dieses heilige Wort, das von allen so hoch gelobt wird. Nichts scheint für „Bildung“ zu teuer zu sein, und kein Weg zu weit. Ist „Bildung“ etwa die Vermittlung von möglichst viel Wissen? Da muss ich an meine Mutter denken. Wenn wir die Zeugnisse nach Hause brachten, schaute sie hauptsächlich auf die ersten drei Noten: Verhalten, Mitarbeit und Religionslehre. Sie sagte dann immer: „Ein guter Mensch zu sein, das muss man von Kindesbeinen an lernen. Das andere kannst Du immer noch lernen, wenn Du es mal später für Deinen Beruf brauchst.“

Das ist jetzt 30 Jahre her und im Zeitalter von Internet und Schnelllebigkeit scheint mir diese Aussage aktueller denn je. Oder besteht die Aufgabe der Schule eher darin, unsere Kinder auf ihren Alltag im späteren Berufsleben vorzubereiten? Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der sich Leistung bezahlt macht. Der Sport lebt es uns vor (The winner takes it all, the loser standing small . . . Ein Song von Abba), und wir machen alle mit. Da muss ich an meinen Vater denken. Als sportbegeisterter Mensch brachte ich regelmäßig Pokale mit nach Hause. Doch anstatt sich zu freuen oder wenigstens ein bisschen stolz auf mich zu sein, sagte er nur: „Junger, Du übertreibst es.“ Ich gebe zu, als junger Mensch hatte ich oft Probleme, seine Weisheit zu verstehen. Es erschien mir auch nicht als erstrebenswert, mit einer Flasche Bier auf der Gartenbank zu sitzen und dem Gras beim Wachsen zuzuschauen. Heute denke ich anders darüber. Ich weiß mittlerweile, dass eine reine Leistungsgesellschaft zu viele Verlierer produziert, die wir uns am Ende nicht mehr leisten können. Nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus demografischen Gründen.

Nun stellt sich mir zum Schluss die spannende Frage: Warum sind wir Kinder in diesem Leben nicht gescheitert, obwohl unsere Eltern wenig Wert auf „Bildung“, sei es in Form von Wissen oder Leistung, legten? Ich glaube, weil sie uns eines nie genommen haben, unsere kindliche Neugierde. Fragen zu stellen und Probleme zu suchen, um darauf Antworten und Lösungen zu finden. Ich glaube, das ist es, was uns bis heute noch antreibt. Jedoch ist das ein Reifungsprozess, den man von außen zwar begleiten, aber nicht steuern oder beschleunigen kann. Die meisten von uns freuen sich über einen guten Tropfen Wein. Und jeder weiß, dass guter Wein Zeit zum Reifen braucht. Dem Wein geben wir gerne die Zeit. Doch wie verhält es sich mit unseren Kindern?

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