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Vorrang für Ökologie oder den Tourismus?

13.04.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Walter Günther, Neckartailfingen. Zum Artikel „Nationalparkgegner pfeifen Minister aus“ vom 10. April. Am Dienstagabend hat sich Herr Bonde in Bad Wildbad zum Auftakt des „Projekts Nationalpark“ an die Öffentlichkeit gewandt. Die überwiegende Reaktion des Publikums war verheerend. Man fragt sich, weshalb man nicht zuvor in den Suchgebieten Kaltenbronn, Ochsenkopf und Ruhestein eine Volksbefragung vornimmt – nach Art der Bürgerbeteiligung –, um überhaupt die Akzeptanz der dort lebenden Menschen zu erforschen.

Unsere grün-rote Regierung ist den anderen Weg gegangen und hat auf Kosten der Steuerzahler für ein 1200 Seiten langes Gutachten 770 000 Euro ausgegeben. Soll damit der Widerstand der Projektgegner gebrochen werden? Im Grunde geht es weniger um einen Nationalpark als um eine touristische Aufwertung des Nordschwarzwalds. Aber ist damit der Ökologie dieser Region wirklich gedient? Dass an der Schwarzwaldhochstraße Hotels geschlossen wurden, entspricht der Wahrheit. Dieser Trend wurde aber bei Weitem widerlegt durch erfolgreiche Eigeninitiativen auf dem Schliffkopf oder die Schliffkopf-Hütte auf der Alexanderschanze am Kniebis. Ganz zu schweigen von der gastronomischen Eleganz rund um Baiersbronn mit drei Drei-Sterne-Köchen und weiteren gut geführten Hotel-Gaststätten. Wenn man die Argumente der Regierung hört, werden automatisch neue Rummelplätze in verdeckter Form eines Nationalparks geschaffen. Erschreckende Beispiele sind schon jetzt vorhanden: Mummelsee im Sommer, Feldberg im Winter!

Kann es Ziel einer grün-roten Regierung sein, jährlich rund 190 000 neue Übernachtungsgäste und 225 000 zusätzliche Tagesgäste zu mobilisieren? Wie kommen denn die Besucher dahin? Mit Bahn oder Bus? Überwiegend mit den eigenen Pkws, wie andere Beispiele zeigen. Also vermehrter CO2-Ausstoß. Dasselbe gilt für die schweren Holz-Transporter, die das Stammholz für die Sägewerke anderweitig herholen sollen. Auch den Straßen wird dies nicht guttun. Darüber hinaus werden für die vielen Besucher abgeholzte Parkflächen entstehen oder sogar Parkhäuser – siehe Feldberg.

Eine Horrorvorstellung für alle, welche den Schwarzwald wenigstens in der jetzigen Form noch erhalten möchten. Aber eine Sache sollte auch klar sein – falls der Nationalpark doch noch zustandekommen sollte: eine Installation von Windrädern dürfte im Interesse des Vogelschutzes nicht erfolgen.

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