Schwerpunkte

Leserbriefe

Vorfall ist maßlos übertrieben

04.02.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Emil Neuscheler, Neckartailfingen. Zum Artikel „Brüderle will sich nicht entschuldigen“ vom 31. Januar. Du glückliches Deutschland, das sich mit einer solchen Inbrunst einem nebensächlichen Thema wie Sexismus widmen kann. Ein dummer Spruch und ein neugieriger Blick auf oder ins Dekolleté einer Dame von einem alternden Herrn, beides schon ein Jahr zurückliegend, hat in der Bundesrepublik eine Debatte von scheinbar primärer Wichtigkeit ausgelöst. Der Vorfall ist maßlos übertrieben und reißerisch dargestellt und warum eigentlich erst jetzt? Unsere Frauen haben diese Art von Tugendwächtern gar nicht nötig, denn ich bin überzeugt, dass sie sich jeglicher Art von Zudringlichkeit verbal oder grapschend durch Zurechtweisung oder im Extremfall durch eine Ohrfeige erwehren können.

Unsere Frauen sind von Natur aus schön und bemühen sich außerdem durch Outfit und Make-up, uns Männern noch besser zu gefallen. Körperkorrekturen haben sie eigentlich gar nicht nötig, aber trotzdem scheuen sie kein Risiko und keine Kosten, eventuelle körperliche Mängel beim Schönheitschirurgen beheben zu lassen. Wir erleben deshalb gerade eine Hochkonjunktur der Implantate mit dem Ergebnis prall gefüllter Körbchen unterhalb des Kinns. Mit viel Hingabe wird diese Gegend, manchmal auch provozierend, mit frappierender Wirkung drapiert und dient als Blickfang für dort angebrachtes Accessoire, das ein ganzer Industriezweig für unsere Frauen produziert. Deshalb ist ein anerkennender Blick eines Mannes keine Frechheit, sondern ein Plus für das Selbstwertgefühl der Frau. Schließlich zeigt der Modetrend auf mehr Freizügigkeit und nicht mehr auf hochgeschlossene Kleidung einer längst vergangenen Epoche, der Puritaner mit ihrer geheuchelten Prüderie.

Auch die aufgeklärteste Feministin sollte begreifen, dass ein Mann seine Augen nicht auf ein imaginäres Ziel am fernen Horizont richten kann, wenn ihm eine wohlproportionierte Frau begegnet. Es geht schließlich um das Sehen und Gesehenwerden, um die Erfüllung eines Naturgesetzes.Das ist der Anfang der Bindung und der gegenseitigen Ergänzung beiderlei Geschlechter. Weder Frauen noch Männer wollen einen sterilen Umgang miteinander, denn das ist reizlos, es fehlt die Würze. Man sollte die Tabuisierung nicht zu weit treiben, schließlich verdankt der Homo sapiens dem Sexismus mit seinen vielen Varianten seine Existenz.

Leserbriefe