Leserbriefe

Vernetzung aller Systeme ist Realität

06.11.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jan Lüdtke-Reißmann, Nürtingen. Zu den Artikeln „Die Grenzen der Verbraucherschützer“, „Das Handy lotst durch den Supermarkt“ und „Quarantäne für Zombies“ vom 19. Oktober. Wenn das Netzwerk Facebook Daten verknüpft, dann ist dies mitnichten eine Panne. Dies ist aus der Sicht der Netzwerkbetreiber so gewollt. Es geht darum, in gigantischen Datenbanken Informationen über Menschen und deren Gewohnheiten zu sammeln und zu verknüpfen. Ziel ist es, diese Daten für die werbetreibende Wirtschaft und andere Nutzer verfügbar zu machen.

Schaue ich mir daneben nun den etwas unreflektierten Artikel zum Thema „Neuer Supermarkt“ an, so sollte man als Konsument erkennen, dass die Lieferung von Informationen zu einem Produkt auf ein Handy keine Einbahnstraße ist. Jeder Informationsabruf wird selbstverständlich dokumentiert, der Tag, an dem man im Supermarkt von einem Werbeplakat mit seinem Namen begrüßt wird, ist technisch in nicht so weiter Ferne. Die Frage bleibt, ob man ein solches Szenario erleben möchte.

Endgültig stutzig muss man jedoch werden, wenn man den Artikel zur möglichen Handhabung von Computern liest, die mit Viren, Trojanern oder anderen Schadprogrammen verseucht sind. Da stellt sich der Vizechef der Firma Microsoft vor, man könne doch für eben diese verseuchten Rechner einen Quarantäne-Status schaffen. Bedingung für ein „Freikommen“ aus der Quarantäne ist eine eindeutige Identifikation des Rechners. Konsequent bedeutet dies, dass jeder Computer nicht mehr selbständig, sondern lediglich eine Arbeitsstation ist.

Von der Überwachung des Zustandes zur Überwachung der Inhalte eines Computers ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Schaut man auf die Freiheit, kann das Argument: „Ich habe aber gar nichts zu verbergen“ nicht gelten. Die Vernetzung aller Systeme ist Realität und wird sich weiter verstärken. Wer die Freiheit und damit sich selbst durch schweigendes Ergeben in die Zukunft aufgibt oder gar die Zukunft in der politische Radikalisierung sieht, gibt mit der Freiheit alles auf, was er hat!

Die in der Verantwortung stehende Politik muss aufhören, Geschäftsmodellen hinterherzulaufen, und endlich den Schutz der Daten und die Rechte des einzelnen Bürgers in den Mittelpunkt des Handelns stellen. Die Pflichten der Bürger und alle anderen politischen Aspekte lassen sich dann mit einer erheblich größeren politischen Ruhe entwickeln und kommunizieren. Die vernetzte Welt ist kein neuer Verkaufskanal für Waren und Informationen, sondern ein Kommunikations- und Informationsmedium für jeden einzelnen Menschen.

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