Leserbriefe

Tempolimit nimmt Freude am Auto

12.10.2019 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reiner Essl, NT-Reudern. Zum Artikel „Kretschmann fordert Tempo 130 auf Autobahnen“ vom 9. Oktober. Man könnte es auch als Fake News abtun, wenn unser Landesvater Kretschmann den Verkehrsteilnehmer zum potenziellen Mörder deklariert, der mit mehr als 130 Kilometer pro Stunde über die Autobahn fährt. Er schreibt: Somit wäre er so gefährlich wie ein Amerikaner, der mit seiner Waffe alle Probleme und Gelüste aus der Welt schaffen will. Was noch mehr zu denken gibt, ist die Deklaration: der Ami mit der Waffe als Synonym für ein todbringendes Fahrzeug, das jederzeit bereit ist zu töten. Drastischer kann man mit solch einer Äußerung, die auch die Amerikaner zu einem schießwütigen Volk erklärt, die 130 Stundenkilometer nicht einfordern.

Natürlich sind die 130 nicht als utopisch einzustufen, zumal Parameter wie weniger Schadstoffe, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit am Fahrzeug direkt sowie an der Straße nur Vorteil bringen. Bislang galt, dass sich Deutschland als Autoland behaupten konnte, in dem es leistungsfähige Fahrzeuge anbieten konnte und nicht den Fokus auf lahme Enten gelegt hat. Dies war bislang der Grund, warum unsere Regierungen sich schwergetan haben, die 130 Kilometer pro Stunde durchzusetzen, da ein großes Verkaufspotenzial dahinterstand. Es scheint, dass hier der letzte Akt von Freiheit gespielt wurde, wobei es ein Trugschluss ist, da auf der BAB bei uns schon viel reglementiert wird, jedoch das freie Fahrgefühl, wenn auch rudimentär, noch vorhanden ist. Das hat in den vergangenen Jahren unserer Autoindustrie den Nimbus verpasst, der auch mit unseren Wohlstand brachte. Nun, dieses Denken kann sich verflüchtigen, zumal sich auch kriminelle Tendenzen um das Auto entwickelten, aber vor allem, da sich der Umweltgedanke etablierte, in dem für PS-gewaltige Boliden kein Platz mehr sein könnte. Das wird unsere Wirtschaft treffen und den Tropf, an dem wir alle hängen, spärlicher werden lassen. Man kann unsere Autos und Fahrweise nicht ad hoc verändern, zumal viel Zeit um dieses Vehikel vergeudet wurde.

Jedoch nur „grüne“ Autos auf die Straße zu lassen, kann es auch nicht sein, aber 130 wird unsere Freude am Auto eintrüben, zumal Tempo 140 auch ein Diskussionspunkt sein könnte. Zumindest wäre das Auto als dubiose Waffe etwas entschärft. Herr Kretschmann täte gut daran, seine Wortwahl auch als Metapher im Zaum zu halten, denn es gibt noch andere Länder, die mit Waffen und dem Leben anderer nicht zimperlich umgehen, weit weniger als die Amis.

Leserbriefe

Klimaschutz und die deutschen Ansätze

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