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Stuttgart 21: Ein Geschwindigkeitsbluff

15.09.2010 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Eckhard Finkh, Nürtingen. Zum Artikel „Gutachter warnen vor enormen Mehrkosten bei der ICE-Trasse“ vom 9. September. Hochinteressant war die Grafik zum Höhenprofil der neuen Bahnstrecke. Zeigt sie doch, mit welchen „überzeugenden“ Mitteln die Mehrheit unserer Volksvertreter zur Zustimmung zu dem Megaprojekt gebracht wurden. Dass die Berg-und-Tal-Fahrt von der Energieökonomie her und vielleicht auch von der Betriebssicherheit her ihre Probleme hat, kann man nur erahnen. Was aber der rote Balken des Geschwindigkeitsprofils verspricht, das springt in die Augen und weckt riesige Zweifel an der gebetsmühlenartig behaupteten Fahrtzeit von 28 Minuten zwischen Stuttgart und Ulm. Der normalerweise mit vielen Wagen bestückte ICE aus dem Tiefbahnhof nimmt laut Grafik schon im 200 Höhenmeter ansteigenden Fildertunnel eine Geschwindigkeit von 250 km/h (!) auf, rast am (noch nicht fertig geplanten) Flughafenbahnhof ohne Halt vorbei, donnert dann nach Wendlingen hinab, behält seinen Schwung im Albvorlandtunnel.

Was jetzt kommt, macht den Laien staunen, und der Fachmann sollte sich zumindest wundern. Bosslertunnel und Steinbühltunnel haben Steigungen, die für Güterzüge nicht zu schaffen sind. Ich habe sogar gelesen, dass die Steigung stärker als die der Geislinger Steige ist. Der ICE lässt sich natürlich davon nicht beeindrucken, sondern hält brav seine 250 Stundenkilometer bis auf eine Höhe von 750 Metern, rauscht locker bergab, um dann fünf Kilometer vor Ulm eine super Bremsung hinzulegen. Sollte der Zug an den Steigungen doch mal nicht volle Pulle fahren, sollte er doch mal wegen kleinerer Steckenarbeiten langsamer tun, dann sind die 28 Minuten gestorben. Sollte er gar noch den Airport bedienen – ein Hauptargument für S 21 –, dann fallen schon wieder ein paar Minuten Verzögerung an. Die Grafik vermeidet, dazu eine Zahl zu nennen.

Seien wir doch realistisch, ehrlich, vernünftig: mit Flughafenhalt wird es eine durchschnittliche Reisezeit von rund 40 Minuten geben. Die jetzige Reisezeit ist mit 54 Minuten angegeben. Der Milliarden-Aufwand also wegen einer Viertelstunde Zeitgewinn?

Leserbriefe

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