Leserbriefe

Studie ohne Wert

21.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Jan Fitzner, Wendlingen. Zum Artikel „E-card kommt bei Versicherten gut an“ vom 14. März. Wo „Studie“ draufsteht, muss noch lange keine Wissenschaft drin sein: Um die 5000 Euro bekommen die Krankenkassen für jeden Patienten, der sich bei ihnen in ein Behandlungsprogramm (DMP), wie es sie zum Beispiel für Diabetiker, Asthmatiker, Infarktkranke gibt, einschreiben lässt. Und damit die Patienten dies auch tun, werden sie selbst und ihre Ärzte mit Bonuspunkten und Prämien gelockt. Denn es geht um Geld, in erster Linie um viel Geld und am Rande dann auch noch um Gesundheit.

Da das nun nicht sehr edel klingt, versuchte man bereits 2002 den Beweis nachzuliefern, dass DMPs auch medizinisch nützen. In dieser „Studie“ in Sachsen-Anhalt steckte man allerdings von Anfang an die Gesünderen in die DMP-Gruppe und die Kränkeren in die Vergleichsgruppe und fand, welche Überraschung, dass die gesündere DMP-Gruppe gesünder ist.

Solche Fallstricke werden nun nicht in der Presse mitgeteilt, da heißt es nur zusammenfassend: DMP hilft, gesünder zu sein. Man findet sie erst, wenn man sich die Mühe macht, auch die Original-Studiendaten zu betrachten. Auf diese Weise stutzig geworden, versuchte ich bei der jetzt von der AOK als DMP-Beweis benannten ELSID-Studie, die Originaldaten einzusehen. Doch erstaunlicherweise liegen diese weder unserer AOK noch dem AOK-Bundesverband vor. Sie sind aus publikationstechnischen Gründen nicht einsehbar, sagt mir der Leiter der Studie, welche die AOK bezahlt, in Heidelberg.

Taugten also diese „Studien“ nicht wirklich, dann vielleicht jene „Erfolgsstudie“ der DAK. Aber erneut: bei Prüfung der Originaldaten fällt auf, dass kein einziger Patient in dieser Studie je untersucht wurde. Und selbst bei der reinen Ansichtsbefragung sagt die Mehrheit, genauer zwei Drittel der Probanden, sie hätten keine Änderung bemerkt. Dennoch schreibt die Presse „DAK-Studie belegt DMP-Erfolg“! Ohne Originaldaten sind solche angeblichen „Studien“ also völlig wertlos, ja irreführend. Und nun kommt die Techniker-Krankenkasse mit der von ihr bezahlten Studie zur Akzeptanz der elektronischen Versichertenkarte. Es ist wieder eine Pressemitteilung, keine Originaldaten. Wir wissen nichts über die Details der Erhebung. Aber wir wissen, dass dasselbe Forsa-Institut, das diese Studie durchführte, vor knapp einem Jahr in einer ähnlichen Umfrage schon einmal von „hoher Akzeptanz“ sprach, als gerade einmal, schaut man genauer hin, 60 Prozent der Befragten überhaupt schon je etwas von der Karte gehört hatten. Welch fachkundige Datenquelle! Welche präzise Wissenschaft auch hier!

Solche „Studien“ beweisen nichts. Wir fragen uns, wofür wir sie brauchen und warum sie überhaupt von unseren Zeitungen abgedruckt werden, sind es doch nur Werbematerialien der Kassen. Diese allerdings brauchen sie. Denn beim DMP geht es um Geld. Und bei der E-card? Um Kontrolle und Überwachung.

Leserbriefe

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