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Stärke durch die Schwäche der Gegner

07.08.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Christoph Traube, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Söder fordert Laschet zu kraftvollerem Wahlkampf auf“ und zum Kommentar „Kampagne in der Krise“ vom 31. Juli.

Wenn ich mir die Berichterstattung über die CDU und Armin Laschet anschaue, frage ich mich, warum es in 16 Jahren Angela Merkel nie solche Überschriften gegeben hat. Laschet führt nämlich offensichtlich Merkels Strategie der „asymmetrischen Demobilisierung“ fort. Damit hat Angela Merkel es dreimal geschafft, das bis dahin zweitschlechteste Wahlergebnis in der Geschichte der CDU einzufahren, um Bundeskanzlerin zu werden hat es trotzdem jedes Mal gereicht und von einer Krise hat keiner gesprochen.

Wie bei Merkel ist auch bei Laschet die Schwäche seiner Gegner seine größte Stärke: Das Problem von Olaf Scholz ist seine Partei, die SPD. Steht die wirklich hinter ihm? Beim Rennen um den Parteivorsitz ist er seinerzeit jedenfalls gegen zwei Außenseiter unterlegen. Und Annalena Baerbock hat kaum Erfahrung, das zeigen gerade auch die vielen Fettnäpfchen, in die sie getreten ist. Wäre sie in der Lage, in schwierigen Zeiten ein großes und kompliziertes Land wie Deutschland zu regieren? Mit Landesregierungen, die eben keine Befehlsempfänger sind, und an der Spitze einer Koalitionsregierung? Wie soll das werden, wenn die Grünen sich schon von einem unbotmäßigen Lokalpolitiker wie Boris Palmer aus dem Konzept bringen lassen und zum Parteiausschluss greifen?

Genau da liegt der Unterschied zu Armin Laschet: Der gehört selbst eher zum linken Flügel der CDU, weiß aber, dass eine Volkspartei sich breit aufstellen muss. Deshalb hat er gleich nachdem er Vorsitzender der CDU wurde deutlich gemacht, dass die Konservativen bei ihm wieder willkommen sind. So arrangierte er sich mit Friedrich Merz ebenso wie mit Hans-Georg Maaßen und den unzufriedenen Landesverbänden in Ostdeutschland. Anders als Angela Merkel setzt Laschet auf ein Team mit mehreren starken Persönlichkeiten. Herbert Reul, sein Innenminister in NRW, ist so ein Beispiel.

Sticheleien und Aktionismus aus Bayern sind da auch kein großes Problem. In Deutschland wählen wir schließlich keine Kandidaten, sondern Parteien. Wer die CDU wählt, wählt auch die Union mit der CSU und Markus Söder wird im Koalitionsausschuss bei allen wichtigen Fragen mit am Tisch sitzen. Auch Söder kann sich also einbringen.

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