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Stadtbalkon: Mehr Chancen als Risiken

15.07.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhardt Schmücker, Nürtingen. Zum Leserbrief „Keine Rücksicht auf die Nachtruhe“ vom 12. Juli.

Wer in der Stadt wohnt, tut dies meistens freiwillig. Urbanes Leben heißt Vielfalt, Dynamik und Kultur, Leben auf der Straße. Auf Reisen genießen wir das alles und zum Glück gibt es auch in Nürtingen immer mehr davon. Gastronomie gehört auch dazu und seit neuestem: der Stadtbalkon. Leben in der Stadt ist immer mit einer gewissen Geräuschkulisse verbunden. Im Stillen ist das nicht zu haben. Für alles andere, vor allem Lärmbelästigung, ist das Ordnungsamt zuständig. Mir ist nicht bekannt, dass die Zuständigen damit in der Vergangenheit zu lax umgegangen wären.

Der Stadtbalkon ist für die Stadt eine Riesenchance. Am Neckarufer kehrt endlich ein gewisser Coolness-Faktor ein, den die Stadt so dringend braucht. Nürtingen ist eine Hochschulstadt und außer auf den Ortsschildern ist davon wenig zu spüren. Der Stadtbalkon erreicht auch die jungen Bürger der Stadt. Sie sind die Zukunft. Es geht um mehr als nur ein paar Kneipen am Neckar. Es geht um die Attraktivität Nürtingens im Wettbewerb mit anderen Städten der Region. Die Stadt ist dabei, endlich das enorme Pfund zu heben, das sie mit der Lage am Fluss besitzt. Am Neckar entsteht etwas Neues. Das kann in die Innenstadt zurückstrahlen, die sich gerade in ein Zentrum für Gehör- und Sehkraftdienstleistungen selbst verzwergt.

Alle Menschen brauchen Ruhe. Es ist verständlich, wenn gegen den Stadtbalkon von Anwohnern Skepsis und Kritik geäußert wird. Die wenigsten Veranstaltungen, die in den letzten Leserbriefen als Lärmquellen genannt wurden, haben mit dem Stadtbalkon direkt zu tun. Ich bin mir sicher, dass sich für die meisten Probleme auch Lösungen finden lassen. Dass dies geht, zeigte die Verwaltung erst kürzlich im Umgang mit dem Discgolf-Parcours am Galgenberg. Und der Verkehr? Mag sein, dass manche Kommunen Nürtingen um den Innenstadtring beneiden. Wohl aber kaum um den Durchgangsverkehr und die Vierzigtonner in der Bahnhof-, Alleen- und Europastraße. Der Stadtbalkon könnte ein Anfang sein, diese Verkehrsart dorthin zu bekommen wo sie hingehört: auf die Umgehungsstraßen, raus aus der Stadt. Ich hoffe, diesen Test nicht schon als gescheitert zu erklären, bevor der Nutzen für die Stadt sichtbar wird.

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