Leserbriefe

Souveränität sieht anders aus

14.01.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hartmut Schewe, Aichtal-Neuenhaus. Zum Artikel „Wulff: ich habe nicht gegen das Gesetz verstoßen“ vom 5. Januar. Es gab noch keinen Bundespräsidenten, der so viel Angriffsfläche bot, der derart hilflos darauf reagierte wie der derzeitige. Und das hat viele Gründe. Zunächst natürlich sein Verhalten in den vielen Denkwürdigkeiten, die er über Wochen hinweg bot – oder auch nicht. Souveränität sieht anders aus.

Es muss nicht alles aufgelistet werden, was ihm vorgeworfen wird. Die Medien sind voll davon. Beschämend war seine Vorstellung in ARD und ZDF am 4. Januar, als er um Verständnis bettelte. Beschämend war die Auswahl der Medien durch das Staatsoberhaupt und dass die beiden wichtigsten deutschen Fernsehsender sich darauf einließen. Das ist ein in dieser Republik einmaliger Vorgang. Wenn Politiker in Erklärungsnöte geraten, sind in solchen Fällen Pressekonferenzen üblich – allerdings ist kein Vorgang bekannt, in dem ein amtierender Bundespräsident in vergleichbaren Angelegenheiten eine Pressekonferenz hätte abhalten müssen.

Die Schuhe, die er anzog, sind zu groß für ihn! In besagtem Interview hat er es mehrfach unfreiwillig eingestanden. Er häuft immer noch eine Peinlichkeit über die andere. Eine solche Fehlbesetzung könnte auch an diesem weltweit einmaligen abstrusen Wahlverfahren über die Bundesversammlung liegen, demzufolge dem deutschen Volk nicht zugetraut wird, das eigene Staatoberhaupt zu wählen. Begründet wird das mit der Wahl des greisen Hindenburg zum Reichspräsidenten in der Weimarer Republik, der letztlich die Kanzlerschaft Hitlers ermöglichte.

Inzwischen sind viele Jahre vergangen, die Form der Präsidentenwahl wurde zum Anachronismus. Vielleicht sollte man heute doch das Volk entscheiden lassen, wer es als Staatsoberhaupt nach innen und außen vertreten sollte. Das könnte Amt und Amtsinhaber aus dem Parteienhader weitgehend heraushalten. Und es wäre nicht mehr möglich, einen innerparteilichen Konkurrenten um das Kanzleramt auf den Präsidentenstuhl abzuschieben.

Leserbriefe

Nürtingen und das Hölderlin-Haus

Ingrid Dolde, Großbettlingen. Zum Artikel „Ein eigenes Haus für Hölderlin“ vom 14. Januar. Nun ist man beim Hölderlinhaus praktisch wieder da, wo man vor mehr als zehn Jahren schon einmal war. Von wegen Sanierung. Die jetzt beschlossenen Pläne bedeuten nichts anderes als einen Abriss in weiten…

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