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Leserbriefe

Soldaten und Fotoapparate

24.10.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Adolf Wolfer, Oberboihingen. Zum Artikel „Von der Volkskamera zum Museumsstück“ vom 17. Oktober. Die Firma Foto Jung in Kirchheim/Teck hatte im Frühsommer 1933 die Agfa-Boxkamera im Schaufenster, die man für vier Reichsmark kaufen konnte. Die vier Münzen mussten jeweils mit der Prägung A.G.F.A. auf der Rückseite geprägt sein. Eine Woche nach dieser Nachricht von meinem Vater radelte ich nach Kirchheim, um die Kamera zu kaufen, doch die letzte Kamera hatte der Verkäufer einen Tag zuvor verkauft. Foto-Jung hatte aber eine Balda-Rollbox mit Blechgehäuse (im Gegensatz zur Agfa, die ein Gehäuse aus Karton hatte) und hat mir die Kamera ebenfalls für vier Reichsmark verkauft. Seitdem bin ich leidenschaftlicher Fotograf.

Was mich an dem Bericht von Philip Sandrock stört, ist folgende Behauptung: Kurz nach der Machtergreifung der Nazis ließ die Wehrmacht speziell für ihre Soldaten einfache robuste Kameras produzieren. Sie sollten ermöglichen, dass jeder Soldat Bilder von der Front knipsen konnte. Die Rollbox von Balda und die Agfa-Box waren übrigens 1932 schon auf dem Markt.

1940 war ich bei der Infanterie im Frankreichfeldzug. In unserem Bataillon habe ich keinen einzigen Landser getroffen, der mit einer robusten Box ausgerüstet war und von der Front Bilder gemacht hätte – weder kommandiert noch freiwillig. Der Landser hatte genug zu tragen. Auf dem Rücken sein Sturmgepäck, Gasmaske, Brotbeutel mit Tagesration und eiserne Ration, dazu Seitengewehr und Karabiner – und am Tag musste er 20 bis 25 Kilometer marschieren. Da war kein Platz für eine Box.

Was ich selbst mit einer Voigtländer Bessa 6x6 in Frankreich fotografierte, waren Sehenswertes wie der Eiffelturm in Paris oder die Schlösser an der Loire. Dabei fragte ich mich immer wieder, warum führen wir gegen dieses Land Krieg?

1941 war ich vom ersten Tag an der Ostfront bei den Panzerjägern, auch hier habe ich keinen Kameraden getroffen, der von der Wehrmacht eine Boxkamera erhalten hätte oder dazu aufgefordert wurde, den Einsatz an der Front zu fotografieren. Bis zu meiner Verwundung 1942 hatte ich meine Voigtländer Bessa 6x6 dabei. Ein guter Kamerad (über drei Jahre hinweg), hatte eine Kodak Retina-Kleinbildkamera dabei, nie haben wir das Kriegsgeschehen, Not, Elend, Tod und leidende Menschen fotografiert. Nur einmal hatte uns unser Chef gebeten, ein Foto zu machen. Ein Geschütz hatte einen Volltreffer bekommen, fünf Kameraden haben wir ein nettes Grab geschaufelt. Ein Foto von der letzten Ruhestätte haben wir als Andenken deren Angehörigen geschickt.

Leserbriefe

Die Zukunft der Kleinschwimmhalle

Alexander Maurus, Beuren. Zum Artikel „Praktische Hilfe bei der Meinungsbildung“ vom 19. Februar. Im Kandidatencheck der Nürtinger Zeitung zur Landtagswahl kam auch die Zukunft der Kleinschwimmhalle in Beuren zur Sprache. Das Schwimmbad ist für die Kinder im Neuffener Tal und im Lenninger Tal…

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